Konjunktur: Überraschender Aufschwung in der Euro-Zone

In der Euro-Zone ist ein kleiner Konjunktur-Frühling ausgebrochen. Selbst in ehemaligen Krisenländern laufen die Geschäfte der Unternehmen besser. Der wichtigste Stimmungsindikator – der Einkaufsmanagerindex PMI – geht steil nach oben.

Genährt wird die überraschende Erholung von zwei Faktoren: dem schwachen Euro, der die Exporte antreibt; und dem niedrigen Ölpreis, der die Energierechnung senkt. Das bedeutet allerdings auch: Die Euro-Zone wächst auf Kosten des Auslands. Die französische Bank Natixis formuliert es streng: „Alles, was die Euro-Zone kann ist, Wachstum von anderen zu stehlen.“

Die Volkswirte haben ihre Wachstumsprognose für die Euro-Zone in den vergangenen Wochen um 0,2 Prozentpunkte erhöht. Dies liegt zum einen am Euro, der gegenüber den Währungen der wichtigsten Handelspartner auf Jahressicht um 15 Prozent gefallen ist.

Der billige Euro steigert die Gewinne der europäischen Exporteure, gleichzeitig können sie Marktanteile hinzugewinnen. Bereits im vierten Quartal 2014 war das Wachstum vom Außenhandel getrieben. Während Export-Länder wie Deutschland und Irland stark von der Euro-Schwäche profitieren, nützt sie Griechenland allerdings wenig.

Mehr Geld für Konsum

„Auch vom Ölpreisverfall kann man sich Konjunkturimpulse erhoffen“, so Andreas Scheurle von der Deka-Bank. Auf Jahressicht hat sich der Ölpreis fast halbiert. Dies lässt den Verbrauchern mehr Geld für den Konsum und spart den Unternehmen Kosten.

Mehr Exporte und billiges Öl haben den Außenhandelsüberschuss der Euro-Zone explodieren lassen. 2014 lag er mit 300 Milliarden Dollar 50 Prozent über dem Chinas.

Was den Europäern hilft, schadet jedoch anderen: Ölproduzenten wie Russland verbuchen drastische Wachstumseinbußen. Große Importländer wie die USA und Großbritannien, deren Währungen gegenüber dem Euro aufwerten, verzeichnen große Defizite im Außenhandel. Es fragt sich also, wie lange die Euro-Zone sich noch über die Konjunkturförderung des Auslands freuen kann. „Diese Impulse währen nicht ewig“, warnt Scheurle.