Berlin - „Mehr Vertrauen in Marktprozesse“ – so haben die Wirtschaftsweisen im Sachverständigenrat ihr Jahresgutachten betitelt und damit die wirtschaftspolitische Grundsatzdebatte neu eröffnet. Sechs Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise beklagen sie zu viel Staat, zu viel Regulierung, zu viele Hemmnisse für unternehmerische Entfaltung. Sie fordern wieder mehr Freiheit und weniger Gängelung in Deutschland.

Fast scheint es, als hätten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) im ersten Jahr ihrer Regierung die ganze Ökonomenzunft gegen sich aufgebracht. Ganz so klar ist der Frontverlauf jedoch nicht. Ein Wirtschaftsweiser, der von den Gewerkschaften für den Sachverständigenrat vorgeschlagene Peter Bofinger, widerspricht den vier Kollegen in allen zentralen Punkten. Egal ob es um die Schwarze Null im Haushalt, die deutschen Leistungsbilanzüberschüsse, den Mindestlohn oder Merkels Europapolitik geht, stets hält Bofinger dagegen. Auf der Pressekonferenz kann der Würzburger seinen Ärger über die Mehrheitsmeinung nicht verbergen, so dass aus der gemeinsamen Präsentation zeitweise eine Grundsatzdebatte wird. „Wir brauchen nicht weniger Staat, sondern mehr Staat“, betont Bofinger.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.