So verlassen wie diese Einkaufsmeile in Mannheim sieht es derzeit in vielen Innenstädten aus.
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NürnbergViele Geschäfte sind geschlossen, doch online ist auch inmitten der Corona-Krise fast alles zu kaufen. Nur die deutschen Verbraucher ziehen da nicht mit: Sie halten in ihrer Zeiten von Kontaktsperre und Ausgangsbeschränkungen ihr Geld zusammen. Der vom Marktforschungsinstitut GfK prognostizierte Konsumklimaindex für April sinkt laut AFP auf den tiefsten Stand seit Mai 2009 mitten in der Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Verbraucher sehen wirtschaftlich sehr schwierige Zeiten auf Deutschland zukommen, viele fürchten um den Job und erwarten Einkommenseinbußen.

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Die Marktforscher erwarten einen Konsumklima-Wert von 2,7 Punkten im April, das wären 5,6 Punkte weniger als noch im März, wie sie laut AFP am Donnerstag mitteilten. Im Mai 2009 hatte der Wert bei 2,6 Punkten gelegen.

Angst vor Jobverlust stark gestiegen

Alle drei von der GfK abgefragten Teilindizes brachen ein: Die Verbraucher sehen wirtschaftlich sehr schwierige Zeiten auf Deutschland zukommen, ihre Konjunkturerwartung rutschte ins Minus. "Als Folge der starken Ausbreitung des Virus und den damit einhergehenden Beschränkungen hat die deutsche Wirtschaft innerhalb kürzester Zeit eine Vollbremsung vollzogen", erklärte GfK-Experte Rolf Bürkl. Drohende Kurzarbeit in beträchtlichem Umfang sowie steigende Arbeitslosenzahlen schlügen inzwischen voll auf die Konsumstimmung durch: Die Angst vor Jobverlust sei innerhalb kürzester Zeit stark gestiegen.

Entsprechend fürchten die Verbraucher Einkommenseinbußen, ihre Einkommenserwartung sank um 3,4 Punkte auf 27,8 Punkte. Das ist der niedrigste Wert seit sieben Jahren, wie Bürkl erläuterte. Noch liege der Indikator "deutlich" über dem langjährigen Durchschnittswert von null Punkten. "Es ist aber zu befürchten, dass dieses Niveau in den kommenden Monaten nicht aufrechterhalten werden kann."

Historischer Rückgang der Konsumlaune

Die Konsumneigung ging "drastisch" zurück, um 22,2 Punkte auf 31,4 Punkte. Ein niedrigerer Wert sei zuletzt im Juni 2013 gemessen worden. "Der Rückgang von gut 22 Punkten innerhalb eines Monats kann als historisch bezeichnet werden", sagte Bürkl. "Man muss in der Geschichte dieses Indikators schon sehr weit zurückgehen, um eine vergleichbare Entwicklung zu erkennen." Vor mehr als 13 Jahren - im Januar 2007 - sei im Zuge der Mehrwertsteuererhöhung ein deutlich höherer Rückgang gemessen worden: um 60,5 Punkte.

Die GfK erhebt für ihre repräsentativen Studien zum Konsumklima monatlich die Einschätzung von rund 2000 Verbrauchern zu Konjunktur, Einkommen und Anschaffungsneigung. Für die April-Prognose befragten die Marktforscher die Verbraucher vom 4. bis 16. März - also vor Schließung von Geschäften und Produktionsstopps.

"Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung ziehen wir unsere Konsumprognose von einem Prozent Wachstum für das Jahr 2020 zurück", erklärte Bürkl. Handel, Hersteller und Dienstleister müssten sich auf eine Rezession einstellen. Wie schwer diese ausfalle, werde letztlich davon abhängen, wann die Wirtschaft wieder in eine Art Normalität zurückfindet. "Eine seriöse Konsumprognose kann sicherlich erst dann erfolgen, wenn absehbar ist, wie lange die Corona-Schutzmaßnahmen anhalten werden."