Berlin - Goliath wächst. Wo und unter welchen Bedingungen Lebensmittel erzeugt werden, an wen sie verkauft werden und welchen Trends sie unterliegen, was sie kosten und auf wessen Kosten sie gehen, bestimmen global operierenden Großkonzerne, die durch Übernahmen, Fusionen und neue Geschäftsfelder immer noch größer werden. Manche verfügen über Ländereien großfürstlichen Ausmaßes. Der argentinische Sojaproduzent El Tejar in Südamerika kontrolliert ein Anbaugebiet, das fast drei Mal so groß ist wie Luxemburg. Nicht minder beeindruckend ist der Rohstoffhunger der Lebensmittelindustrie. Allein Coca Cola verbrauchte im Jahr 2015 rund 300 Milliarden Liter Wasser und damit genauso viel wie das westafrikanische Ghana mit 26 Millionen Einwohnern. Dabei ist das Unternehmen mit 44,3 Milliarden US-Dollar Umsatz (2015) nur die Nummer zwei auf dem Weltmarkt, hinter Pepsi mit 63 Milliarden.

Man könnte solche Daten, die der von sechs internationalen Nicht-Regierungsorganisationen herausgegebene „Konzernatlas 2017“ auf 50 Seiten dokumentiert, um weitere Angaben ergänzen: Um das Zusammenwachsen von Pestizidherstellern mit der landwirtschaftlichen Gentechnik, für das die Übernahme von Monsanto durch Bayer nur das prominenteste Beispiel ist. Um den globalen Mineraldüngermarkt, der von nur zehn Konzernen dominiert wird, darunter auch der Kassler Kaliumproduzent K+S, wobei allein die drei größten, Agrium (Kanada), Yara (Norwegen) und Mosaic (USA), mehr als ein Fünftel des Weltmarkts abdecken. Oder um das Segment der Landwirtschaftsmaschinen, wo John Deere und AgCo (beide USA) sowie die niederländische CNH-Gruppe mehr als die Hälfte des Weltmarkts mit 112 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz (2015) unter sich aufgeteilt haben. „Heute bestimmen einige wenige globale Konzerne die großen Trends in der Landwirtschaft und beim Nahrungsmittelkonsum“, heißt es im Atlas, der von der Böll-Stiftung, dem BUND, Germanwatch, Le Monde diplomatique, Oxfam und der Rosa-Luxemburg-Stiftung herausgegeben wurde.

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