Siemens zieht sich komplett aus Russland zurück. Nachdem der Konzern Neugeschäft und Lieferungen nach Russland bereits eingestellt hatte, will er das Land nun komplett verlassen, wie Siemens am Donnerstagmorgen mitteilte. Das drückt auch auf die parallel veröffentlichten Ergebniszahlen für das abgelaufene zweite Geschäftsquartal, in dem Siemens 1,2 Milliarden Euro Gewinn machte. Das ist nur noch halb so viel wie im Vorjahreszeitraum, dennoch bestätigte der Konzern seine Prognose für das laufende Jahr.

Im abgelaufenen Quartal kosten Abschreibungen und andere Belastungen im Zusammenhang mit Russland Siemens rund 600 Millionen Euro Gewinn - vor allem in der Sparte Mobility. In Zukunft könnte noch ein niedriger bis mittlerer dreistelliger Millionenbetrag hinzukommen. Insgesamt hat der Konzern in Russland 3000 Mitarbeiter und generierte dort bisher rund ein Prozent seiner Umsätze.

Siemens-Chef Roland Busch sprach von einer schweren Entscheidung. Das Unternehmen sei seit 170 Jahren in Russland tätig und habe Verantwortung für Kunden und Mitarbeiter. Wie lange die komplette Abwicklung dauern wird, war zunächst offen.

Zum gesunkenen Gewinn trug neben Russland auch bei, dass der Vergleichswert aus dem Vorjahresquartal nach oben verzerrt war. Damals hatte es unter anderem aus dem Verkauf von Flender einen positiven Effekt von rund 900 Millionen Euro gegeben. Andere Kennzahlen legten dagegen kräftig zu: Der Umsatz stieg nominell um 16 Prozent auf 17 Milliarden Euro, der Auftragseingang um 32 Prozent auf knapp 21 Milliarden. Dadurch erreichte der Auftragsbestand den Rekordwert von 94 Milliarden Euro.

Finanzchef Ralph Thomas betonte, es sei eine starke Nachricht, dass Siemens die Belastungen aus Russland kompensieren könne, ohne die eigene Prognose anfassen zu müssen. Darauf sei man stolz.

Auch Konzernchef Busch zeigte sich zufrieden: „In einem extrem schwierigen Umfeld ist unser Geschäft weiterhin stark“, sagte er. Er sehe starke und anhaltende Wachstumstrends in allen Geschäften.

Zum Geschäft mit großen Antrieben (LDA), das Siemens ausgegliedert hat und voraussichtlich verkaufen wird, sagte Thomas, es gebe keinen Grund die grundsätzlichen Überlegungen infrage zu stellen. Die IG Metall hatte zuletzt erneut darauf gedrungen, noch einmal über einen Verbleib beim Konzern nachzudenken. Hintergrund ist die veränderte weltpolitische Lage. LDA mit seinen weltweit rund 7000 Mitarbeitern stellt unter anderem Motoren für den Einsatz in Minen her. Aber auch die Bundeswehr soll für U-Boote zu den Kunden gehören. Allerdings betonte Thomas auch, dass Siemens bei LDA nicht unter Druck stehe - weder zeitlich noch inhaltlich.

An der Börse kamen die Nachrichten von Siemens allerdings schlecht an: Am Vormittag lag die Aktie mehr als fünf Prozent im Minus. Sie gehörte damit zu den größten Verlierern im Aktienindex DAX.

Fortum: Kontrollierter Ausstieg

Der finnische Energiekonzern Fortum wird seine Russland-Aktivitäten beenden. „Wir haben entschieden, einen kontrollierten Ausstieg aus dem russischen Markt zu verfolgen“, sagte Fortum-Chef Markus Rauramo laut einer Konzernmitteilung am Donnerstag bei der Vorlage der Quartalszahlen in Espoo.

Im vergangenen Jahr hatte die Mutter des deutschen MDax-Konzerns Uniper weniger als ein Prozent seines Umsatzes in Russland erwirtschaftet, allerdings trug das Geschäft rund zehn Prozent zum Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) bei. Bereits zuvor hatte Fortum gemäß der Sanktionen des Westens gegen Russland wegen des Ukraine-Krieges einen Investitions- und Finanzierungsstopp in seine dortigen Tochtergesellschaften angekündigt.

Als bevorzugten Weg für den Komplettausstieg nannte Fortum am Donnerstag die Veräußerung der russischen Aktivitäten. Der Verkaufsprozess für die russische Uniper-Tochter Unipro solle ebenfalls so bald wie möglich wieder aufgenommen werden. Der Düsseldorfer Konzern Uniper hält rund 83,7 Prozent an Unipro. Das Portfolio in Russland besteht aus fünf Kraftwerken. Die Erzeugungsaktivitäten umfassen vor allem Erdgas, aber auch Stein- und Braunkohle und decken laut Uniper fünf Prozent des russischen Strombedarfs.