Der frühere Bundesminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU).
Foto dpa/Angelika Warmuth

Eigentlich wollte er für eine Zeit von der politischen Bühne abtreten, doch mit dem Wirecard-Skandal steht der frühere Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wieder im Rampenlicht. Er hatte sich bei Angela Merkel für Wirecard eingesetzt: Die Kanzlerin sollte dem Unternehmen den Markteintritt in China erleichtern. Guttenberg hatte Wirecard mit seiner in New York ansässigen Firma Spitzberg Partners als Kunde gewonnen. Der bis zu seinem abrupten Ausscheiden aus dem Amt ausgesprochen populäre Politiker hatte sich nach seinem Weggang aus Deutschland den globalen Themen verschrieben. Der Schweizer Handelszeitung sagte er einmal, er sehe das „Wechselspiel zwischen geopolitischer Relevanz und interkulturellen Fragen“ als seine Kernkompetenz.

Guttenberg, der auch eine Zeitlang als digitaler Experte die EU-Kommission unterstützte, widmet sich den Themen Technologie, Blockchain oder Big Data und Kryptowährungen. All diese Phänomene würden die globale Weltordnung verändern. Auch das bestehende geopolitische Kräfteverhältnis sieht Guttenberg im Wandel, wie er im Jahr 2015 auf einem Kongress auf der griechischen Insel Rhodos erläuterte. Der Kongress war eine Veranstaltung der Stiftung „Dialog der Zivilisationen“ des früheren Putin-Freundes Wladimir Jakunin. Der langjährige Chef der russischen Staatsbahnen ist allerdings im Kreml in Ungnade gefallen.

Guttenberg denkt aber ohnehin über Eurasien hinaus. Auf dem Deutschen Medienkongress im Januar 2019 schwärmte Guttenberg von den unbegrenzten Möglichkeiten Chinas und riet seinen Zuhörern: „Schicken Sie Ihre Mitarbeiter zum Lernen nicht ins Silicon Valley, sondern nach Shenzhen.“

Der Name seines Unternehmens Spitzberg Partners ist eine Reminiszenz an Guttenbergs bayerischen Ursprung. In seinem Wahlkreis gibt es einen Berg, der Spitzberg heißt. Vor allem die Amerikaner seien durch einen solchen Namen zu beeindrucken, er klinge nach „Tradition, nach alteingesessener Kanzlei“, wie sein Geschäftspartner in einem Interview verriet. Allerdings sei der Spitzberg in Wirklichkeit kein Berg, sondern nur ein „bewaldetes Häubchen“.

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