Paschal Donohoe.
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Die Euro-Gruppe ist eines der wichtigsten Gremien der Eurozone. Sie versammelt die Minister, die in den Ländern des Euro-Raums über die Finanzen entscheiden und trifft im Grunde die wichtigsten Entscheidungen. Die Gruppe wurde auf dem Höhepunkt der Griechenland-Krise legendär. Damals kämpften Wolfgang Schäuble und seine griechischer Kollege Yanis Varoufakis gegeneinander, und es war mehr als ein Schaukampf: Es ging um die Frage, ob Griechenland im Euro bleiben sollte. Schäuble lancierte die Idee des vorübergehenden Austritts der Griechen. Varoufakis machte heimliche Tonband-Aufnahmen. Seine Kollegen waren empört und warfen dem Ökonomie-Professor vor, gegen die Regeln verstoßen zu haben. Doch die Gruppe hat gar keine Regeln. Es soll informell sein. Neben dem EU-Parlament, der Kommission und dem Rat hat sich die Euro-Gruppe als vierte Macht in der Europäischen Union etabliert. Geprägt wurde die Gruppe von Jean-Claude Juncker, der zwar ein Enthusiast ist, in seinem eigenen Land Luxemburg jedoch ein problematisches Erbe hinterlässt. Später war der Niederländer Jeroen Dijsselbloem das Gesicht der Gruppe. Er stand für die Nord-Europäer, die stets auf Haushaltsdisziplin drangen. Er stand allerdings auch für ein Land, das – wie Luxemburg – als Steueroase mitten in der EU fungiert. Viele südeuropäische Politiker haben für die doppelte Moral kein Verständnis.

Mitten in der Corona-Krise verlässt nun der Portugiese Mário Centeno die Position des Vorsitzenden. Die Favoritin für seine Nachfolge kommt aus Spanien: Nadia Calviño sollte am Donnerstag gewählt werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte vor dem entscheidenden Treffen bereits ihre Zustimmung signalisiert. Neben der Spanierin haben sich auch der Ire Paschal Donohoe und der Luxemburger Pierre Gramegna beworben. Für Freunde einer Balance der Kulturen innerhalb der EU-Finanzinstitutionen geht es bei dem Wechsel auch um ein Signal, in welche Richtung der Euro gehen soll. Mit Christine Lagarde sitzt eine Französin an der Spitze der EZB, die für eine lockere Geldpolitik steht. Deutschland hat mit diesen Spitzenpositionen wenig zu tun – vielleicht, weil alle ohnehin darauf vertrauen dass Angela Merkel persönlich jede Euro-Krise managen kann.

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