Berlin - Das Thema ist ein echter Dauerbrenner. In Umfragen rangiert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf der Liste der dringlichsten Zukunftsaufgaben seit Jahren ganz weit oben. Im aktuellen „Monitor Familienforschung“ des Bundesfamilienministeriums bezeichnen 71 Prozent der Eltern eine bessere Vereinbarkeit als wichtigstes politisches Ziel.

Das sieht auch Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) so: „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist entscheidend für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands und damit für die Familien und die Wirtschaft.“

Die Äußerung weist darauf hin, dass die Einführung des Elterngeldes und Ausbau von Krippen und Kitas offenbar noch nicht ausreichen, um Kinder, Haushalt und Erwerbstätigkeit unter einen Hut zu bringen. Oder besser: unter zwei Hüte. Sehr viele junge Eltern wünschen sich nämlich eine partnerschaftliche Aufgaben-Teilung: 60 Prozent der Mütter und Väter möchten sich in je gleichem Umfang um die Familie kümmern. Und sie möchten jeweils gleiche Arbeitszeiten im Beruf.

Mögliche Einkommensverluste sind ein Hindernis

Ein Drittel der Eltern würde dabei eine Wochenarbeitszeit um die 30 Stunden bevorzugen. In der Realität lebt indessen nicht einmal ein Prozent aller Eltern mit kleinen Kindern nach dem 30-Stunden-Job-für-beide-Modell. Ein Hindernis für die Umstellung vom Fulltime-Job auf „reduzierte Vollzeit“ sind mögliche Einkommensverluste.

Dabei könnten diese mit relativ geringen staatlichen Zuschüssen abgefedert werden, wie eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt. Den Berechnungen zufolge würden rund 200 Millionen Euro pro Jahr ausreichen, um die Zahl der Elternpaare mit Kleinkindern zwischen zwei und vier Jahren und Wochenarbeitszeiten von rund 30 Stunden auf das Dreifache ansteigen zu lassen: von derzeit knapp 10 000 auf 30 000. Dabei sind Vorbild-Nachahmer-Effekte, wie sie beim Elterngeld für Väter seit Jahren beobachtet werden, nicht eingerechnet.

Korridormodell hat drei Vorteile

Die Forscher haben mehrere Varianten der „Familienarbeitszeit“ durchgespielt. Ein Basismodell mit fester 32-Stundenwoche für beide Elternteile, ein Korridormodell mit 28 und 32 Stunden pro Woche, eine prozentualer Staatszuschuss, der 65 Prozent der entgangenen Arbeitseinkünfte zum Vollzeiteinkommen ausgleicht sowie eine Pauschale von 250 Euro monatlich für jedes einzelne Elternteil. So entstehen vier Modellrechnungen mit starren und flexibleren Wochenarbeitszeiten sowie Pauschal- und Prozent-Zuschüssen.

Unter dem Strich kommt das DIW zu dem Ergebnis, dass das Korridormodell mit Pauschalzahlungen von je 250 Euro pro Elternteil die größten Vorteile böte. Zum einen würde der Anteil der Familien, die ein solches Angebot tatsächlich nutzen würden, unmittelbar auf drei Prozent aller Familien mit Kleinkindern ansteigen.

Zum zweiten käme die Pauschalzahlung Eltern mit geringen Stundenlöhnen besonders zu Gute, das sie einen größeren Anteil ihres Einkommens ersetzt bekämen als Gutverdiener.

Drittens wäre eine Pauschale mit jährlichen Ausgaben zwischen 130 und 200 Millionen Euro kostengünstig und viertens extrem unbürokratisch.

Chancen auf Umsetzung hat das Modell in absehbarer Zeit allerdings nicht. Bereits 2014 erteilte Bundeskanzlerin Angela Merkel der Familienarbeitszeit für die laufende Legislaturperiode eine Absage.