Rom - Ein hochrangiger Vatikan-Geistlicher, zuständig für die Vermögensverwaltung des Kirchenstaats, zahlt einem Ex-Geheimdienstmann 400.000 Euro, damit dieser im Privatjet 20 Millionen Euro aus der Schweiz nach Italien schmuggelt – angeblich, um guten Freunden zu helfen. Doch in Wahrheit ist der Kirchenmann in finstere Finanzgeschäfte und Geldwäsche verwickelt.

Was sich anhört wie ein Krimi-Plot, hat sich offenbar wirklich so abgespielt. Der jetzt bekanntgewordene Fall scheint all die Gerüchte über Korruption und dunkle Machenschaften im Vatikan zu bestätigen – und die Vatikanbank-Leitung Lügen zu strafen, die von mehr Transparenz und Kontrolle spricht und bemüht ist, den schlechten Ruf in der Finanzwelt aufzupolieren.

Die italienische Finanzpolizei verhaftete am Freitag Monsignore Nunzio Scarano, einen aus dem süditalienischen Salerno stammenden Prälaten, der sich bis vor wenigen Tagen um die Buchhaltung der Vermögensverwaltung des Apostolischen Stuhls (Apsa) kümmerte. Außerdem wurde Giovanni Maria Zito festgenommen, ein vor drei Monaten aus dem italienischen Geheimdienst ausgeschlossener Carabiniere, sowie ein Broker.

Alle drei stehen unter Korruptions- und Betrugsverdacht. Zito sollte die 20 Millionen Euro im Auftrag des Prälaten aus der Schweiz holen. Die Festnahmen erfolgten im Rahmen von Ermittlungen gegen die Vatikanbank, die seit drei Jahren laufen. Das Mafia-geplagte Italien wirft dem Institut vor, die Regeln zur Bekämpfung von Geldwäsche zu verletzen.

Dubiose Geld-Geschäfte

Monsignore Scarano ist Berichten zufolge ein ehemaliger Banker, der vor 27 Jahren Priester wurde und dann im Vatikan Karriere machte. Er hat ausgesagt, das Geld in der Schweiz gehöre einer befreundeten Familie, der er habe behilflich sein wollen. Deren Anwalt erklärte, der Geistliche habe keine Vorteile aus der Sache gezogen. Welche Rolle die Vatikanbank spielte, ist noch unklar.

Allerdings, gegen den Monsignore wird in seiner Heimatstadt Salerno schon seit zwei Wochen in einem anderen Fall mutmaßlicher Geldwäsche ermittelt. 2009 hob Scarano von seinem Vatikanbank-Konto 560.000 Euro ab und spazierte damit aus dem Vatikan, ohne dass es jemandem verdächtig vorkam. Er habe es zur Abzahlung eines Immobilienkredits in Salerno gebraucht, gab der Monsignore an. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass das zuvor als kirchliche Spenden deklarierte und in Häppchen von je 10.000 Euro eingezahlte Geld in Wahrheit gewaschen wurde. Der Fall belegt, dass die Kontrolle bei der Vatikanbank sehr lax ausfällt.

Papst Franziskus beklagt seit seinem Amtsantritt regelmäßig Korruption, Geldgier und „Interessenverflechtungen“ eines Teils der Kurie. Die Anzeichen mehren sich, dass er in der Vatikanbank aufräumen will. Erst Mitte Juni setzte er dem deutschen Bankchef Ernst von Freyberg mit dem Prälaten Battista Ricca einen seiner Vertrauten an die Seite. Vor zwei Tagen hat Franziskus eine Untersuchungskommission berufen, die Vorschläge für eine Reform des Instituts für die religiösen Werke (IOR) vorlegen soll – so der offizielle Name der Bank.

Die fünfköpfige Kommission, darunter einflussreiche Kardinäle und eine Harvard-Professorin, soll Daten, Dokumente und Informationen über die Aktivitäten der Bank sammeln und dem Papst Bericht erstatten. Sie ist mit weitreichenden Kompetenzen ausgestattet.

Die Vatikanbank, 1942 von Papst Pius XII. als Dienstleister für kirchliche Institutionen, Geistliche und Bürger des Vatikanstaats gegründet, verwaltet rund sieben Milliarden Euro Vermögenswerte. Die 19.000 Konteninhaber sind weitgehend anonym. Die Bank veröffentlicht auch keine Bilanzen. Franziskus-Vorgänger Benedikt hatte 2010 eine Aufsicht mit dem Schweizer Geldwäsche-Bekämpfer René Brülhart als Chef eingesetzt. Dieses Gremium scheint dem neuen Papst nicht zu reichen. Auch mit Bankchef von Freyberg, ebenfalls von Benedikt berufen, ist er offenbar nicht glücklich. Medienangaben zufolge wurde der Deutsche noch kein einziges Mal von Franziskus empfangen. „Man muss den richtigen Weg finden, damit die Vatikanbank der Weltkirche gut dienen kann“, sagte am Freitag Kardinal Jean-Louis Tauran, Mitglied der neuen Kommission, in einem Interview. Und da gebe es viel zu tun, fügte der 70-Jährige hinzu.