Cottbus - Der umfangreichere Einsatz der sich in Sicherheitsbereitschaft befindenden Blöcke E und F des Kraftwerks Jänschwalde in der Lausitz erfordert nach Angaben des Betreibers Leag für die Dauer ihres Einsatzes eine Befreiung von Auflagen zur Einhaltung von Emissionsgrenzwerten. Die Blöcke erfüllten nicht die derzeit geltenden technischen Vorgaben, eine den neuen Anforderungen entsprechende technische Nachrüstung wäre in der zur Verfügung stehenden Zeit bis zu einem möglichen Dauerbetrieb nicht umsetzbar. Ergänzungen im Entwurf des „Ersatzkraftwerkbereitstellungsgesetzes“ seien notwendig. Konkret betreffe das die verschärften Auflagen für Braunkohlekraftwerke nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz, die seit 2021 gelten, wie die Leag am Donnerstag weiter mitteilte.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck will Deutschland weiter für ein mögliches Wegbrechen russischer Gaslieferungen wappnen und dafür die Zahl der Kohlekraftwerke in Reserve ausbauen. Stillgelegte Braunkohlekraftwerke befinden sich in einer sogenannten Sicherheitsbereitschaft, damit sie bei Engpässen aushelfen können. Damit dies schneller klappt, sollen sie in eine neue Versorgungsreserve überführt werden.

Auch die energiewirtschaftliche Notwendigkeit der die Kraftwerke versorgenden Tagebaue müsse festgestellt werden, wie es von der Leag im Vorfeld der Anhörung zum Gesetzentwurf im Bundestagsausschuss für Klimaschutz und Energie weiter hieß.

Das Unternehmen bereitet sich auf das Wiederanfahren der Blöcke E und F für einen möglichen befristeten Dauerbetrieb vor, um einen Beitrag zur Versorgungssicherheit mit Strom und zur Reduzierung des Gasverbrauchs in Deutschland leisten zu können. Die „befristete Versorgungsreserve Braunkohle“ sieht demnach aktuell einen Einsatzzeitraum vom 1. Oktober dieses Jahres bis maximal zum Ende März 2024 vor. Dafür laufen derzeit Instandhaltungsarbeiten. Zusätzliche Mitarbeiter werden eingestellt.

Die beiden 500-MW-Kraftwerksblöcke E und F befinden sich in vierjähriger Sicherheitsbereitschaft. Nach dem geltenden Gesetz ist ihr Einsatz nur in Notfallsituationen vorgesehen. Block F sollte zum 1. Oktober 2022, Block E zum 1. Oktober 2023 endgültig stillgelegt werden. Während der Sicherheitsbereitschaft nehmen die Blöcke nicht am aktiven Marktgeschehen teil. Die Stromproduktion und Fernwärmeversorgung von Cottbus und Peitz übernehmen seitdem die vier in Betrieb verbliebenen 500-MW-Kraftwerksblöcke (A-D).