Die gesetzliche Krankenversicherung steht vor einer Milliarden-Krise. Die fehlenden Mittel dürften in höhere Beitragszahlungen münden und könnten mittelfristig sogar zu Kürzungen der Leistungen der Kassen führen. Bereits im kommenden Jahr dürfte es Erhöhungen der Beiträge geben, für 2022 ist mit einem signifikanten Anstieg zu rechnen. Weil den Krankenkassen laut Prognosen auch im Jahr 2022 etwa 17 Milliarden Euro fehlen könnten, müsste es rechnerisch zu einer Anhebung des Beitragssatzes um 1,3 Prozent kommen – ein historischer Sprung. „Die Beitragssätze dürften dann steil nach oben zeigen“, sagte AOK-Sprecher Kai Behrens dieser Zeitung. Einer der Gründe für die Belastung der Krankenkassen sind auch hohe Pharmapreise. Behrens: „Wir haben ein exponentielles Wachstum bei den Ausgaben für viele neue Medikamente. Es gibt bereits einzelne Medikamente, für die wir eine Million Euro pro Jahr auf den Tisch legen müssen.“ Der AOK-Sprecher sieht daher auch andere Möglichkeiten, das Milliarden-Loch auszugleichen: „Eine kurzfristige Maßnahme wäre die Erhöhung des Herstellerrabatts von der Pharmaindustrie.“ Deutschland habe bereits heute mit die „höchsten Pharmapreise in Europa“, so der Sprecher. So können auch noch unpopulärere Maßnahmen wie die Kürzung von Leistungen frühzeitig verhindert werden In jedem Fall ist eine „unpopuläre Liste von Maßnahmen“ zu erwarten – die auch Kürzungen der Leistungen nicht ausschließen könnte. Solches geschah zuletzt im Jahr 2004, als die gesetzlichen Krankenkassen etwa die Bezahlung von Brillen und Zahnersatz reduzieren mussten.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.