Rüstungskonzerne sind hierzulande ein bisweilen ungeliebtes Stück Industrie. Reihenweise stehen sie in Rückzugsgefechten, weil Europas Staaten am Militär sparen, um ihre Etats zu entlasten. In Deutschland bremsen zudem restriktive Gesetze den Export von Rüstungsgütern. Trotzdem steht Deutschlands – zwar mit gehörigem Abstand – auf Platz drei der wichtigsten Länder beim Rüstungsexport.

Dennoch, der Konsolidierungsdruck ist groß. So wollte 2012 der Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus (früher EADS) mit dem britischen Rüstungsriesen BAE fusionieren, was die deutsche Politik damals verhindert hat. Aufgeschlossen steht sie nun einer anderen Rüstungsehe gegenüber, der des deutschen Panzerbauers Krauss-Maffei Wegmann (KMW) mit dem bisherigen Konkurrenten Nexter aus Frankreich.

Pariser Durchgriff

Das ist insofern bemerkenswert, als der Schulterschluss vor allem für die deutsche Seite Risiken birgt. Alleineigner von Nexter ist der französische Staat. KMW gehört der deutschen Industriellenfamilie Bode-Wegmann. Wie hemmungslos Frankreich industriepolitisch interveniert, wenn es um Stellen, Standorte und Know-how geht, hat dessen Regierung soeben beim Ringen um die Industrie-Ikone Alstom zwischen Siemens und General Electric vorexerziert und jahrelang bei Airbus unter Beweis gestellt.

KMW streicht indessen die Vorzüge der für Frühjahr 2015 geplanten Fusion heraus. Es entstehe ein deutsch-französischer Wehrtechnikkonzern mit fast zwei Milliarden Euro Umsatz, 6,5 Milliarden Euro Auftragsbestand und gut 6 000 Mitarbeitern. Eine Fusion, die dem Erhalt von Arbeitsplätzen diene. Regional und in ihren Produktpaletten würden sich beide Firmen nahezu überschneidungsfrei ergänzen. Gemeinsam könnten sie besser im internationalen Wettbewerb bestehen.

Branchenanalysten wie Stefan Maichl von der Landesbank Baden-Württemberg sehen das skeptischer. Die KMW-Eigner würden es schwer haben, sich gegen den französischen Staat zu behaupten. Für eine Übergangszeit sei nach dem Vorbild der ehemaligen EADS zwar eine Doppelspitze zur gemeinsamen Führung des fusionierten Konzerns geplant. Was danach komme, sei fraglich. KMW sei jedenfalls nicht in der stärkeren Position. Offen bleibe auch noch der gemeinsame Firmensitz, den der Experte eher in Frankreich erwartet. Die Bildung eines deutschen Branchenchampions aus KMW und der Düsseldorfer Rheinmetall sei nun endgültig vom Tisch.

Maichl verweist aber auch auf gar nicht so kleine Überschneidungen zwischen KMW und Nexter. Beide bauen Kampfpanzer, KMW den Leopard, Nexter den Leclerc sowie jeweils gepanzerte Fahrzeuge und Artilleriesysteme. Durch Nexter komme aber das Munitionsgeschäft dazu und für KMW neue, potenzielle Kundschaft vor allem in Afrika. Möglicherweise sei ein fusionierter Konzern auch nur der Auftakt für eine größere Branchenkonsolidierung.

Weitere Partner möglich

In der gemeinsamen Erklärung von KMW und Nexter ist jedenfalls davon die Rede, dass der französische Staat und die Familie Bode-Wegmann eine Balance wahren und Ankergesellschafter im gemeinsamen Haus sein wollen. Unter einem Ankeraktionär versteht man üblicherweise einen starken Minderheitseigner, der etwa 25 Prozent hält. Zum Start kommen Frankreich und Bode-Wegmann auf jeweils 50 Prozent. So gesehen ist Raum für weitere Partner.

„Ich vermute, dass dieser Zusammenschluss, wenn er denn passiert, nur der erste Schritt sein wird von einer ganzen Reihe von anderen Schritten in der gleichen Industrie“, sagt der Präsident des CDU-Wirtschaftsrats Kurt Lauk. Er befürchtet Abwanderung deutscher Rüstungsunternehmen ins Ausland und Arbeitsplatzverluste.

Weitergehende Überlegungen zu Fusionen seien den Unternehmen überlassen, erklärte ein Sprecher von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Die Richtlinien deutscher Rüstungskontrolle würden durch eine Fusion von KMW und Nexter im keinem Fall ausgehebelt, weil diese auch für künftige Zulieferungen zwischen KMW- und Nexter-Standorten wirksam blieben. An politische Schützenhilfe für KMW und dessen Aktionäre gegenüber dem französischen Staat denke die Bundesregierung im übrigen nicht.