Die Anzeige im Internet liest sich verlockend: „Blitzkredit in 2 Minuten. Bargeld ohne Schufa-Prüfung. Online Sofortzusage sichern“. Einen Klick weiter heißt es dann: „Es wird keine Schufa- oder Bankauskunft benötigt. Die Auszahlung des Kredites erfolgt ohne Schufa-Eintrag. Ihre Hausbank erfährt nichts vom ausbezahlten Kredit.“ Und: „Es gibt keine Auswirkung auf bestehende Darlehen und zukünftige Kreditvorhaben“.

Eine solche Offerte klingt zu schön, um wahr zu sein. Ein Selbstversuch soll klären, was wirklich dran ist: Das Online-Formular ist schnell geöffnet, lediglich Name, Geburtsdatum und Adresse werden verlangt sowie die Angabe, ob man selbstständig ist oder Angestellter. Und dann kommt auch schon die Frage nach der gewünschten Kreditsumme. Na, dann eben mal 50.000 Euro beantragen! Warum denn nicht? Tatsächlich ist die Antwort nach knapp zwei Minuten schon da: „Wir beglückwünschen Sie!“, heißt es darin. „Ihre Daten sind positiv vorgeprüft und Ihr Kreditantrag ist zur Auszahlung vorgesehen.“ Und dann folgt noch der Hinweis: „Bitte stellen Sie in der Zwischenzeit keine weiteren Kreditanfragen mehr.“

Doch wer angesichts der überaus verheißungsvollen Antwort des Kreditvermittlers in Jubel ausbricht, liegt daneben. Denn selbstverständlich handelt es sich in Wahrheit noch längst nicht um eine Kreditzusage, sondern allenfalls um eine unverbindliche Absichtserklärung, die faktisch völlig wertlos ist. „Angebote wie diese dienen in der Regel dazu, verzweifelten Menschen, die nirgendwo einen Kredit bekommen, etwas vorzugaukeln – mit dem Ziel, ihnen auch noch das letzte Geld aus den Taschen zu ziehen“, sagt Frank-Christian Pauli, Bankenexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV). Der Hinweis, man solle keine weiteren Kreditanfragen stellen, dient natürlich nur dem Zweck, den geköderten Kunden nicht noch im letzten Moment an einen anderen Vermittler zu verlieren.

Im Zweifel zur Schuldnerberatung

Menschen, denen finanziell das Wasser bis zum Hals steht, lassen sich leicht von derartigen Annoncen ködern. „Bei solchen Angeboten sollten immer die Alarmglocken klingeln“, sagt Pauli. Häufig würden solche Anbieter den Kreditsuchenden vorab hohe Gebühren in Rechnung stellen oder teure Versicherungsverträge in Verbindung mit dem Kredit aufschwatzen. Der Kredit selbst werde dann meist gar nicht ausgezahlt.

Das bestätigt auch die Schufa: So hätten Untersuchungen ergeben, dass Kreditverträge ohne Anfrage bei der Schufa oder einer anderen Auskunftei nur in etwa einem Prozent der Fälle tatsächlich bewilligt und ausgezahlt werden – und dann meist auch nur zu Wucherkonditionen. In fast allen anderen Fällen gehe es den Anbietern solcher Kreditofferten nur um die Vermittlungsprovision. „Üblich ist es, dass diese Vermittler 400 bis 500 Euro in Rechnung stellen, obwohl von vorne herein klar ist, dass der Kredit nie zur Auszahlung gelangen wird“, sagt Schufa-Sprecher Andreas Lehmann. Meist stehe der Hinweis auf diese Gebühren nur in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die sich in der Regel sowieso niemand durchliest.

Einige Anbieter gehen nach Erkenntnissen der Schufa sogar noch dreister vor: Neben der Vermittlungsprovision und sinnlosen Versicherungen drehen sie den Kunden noch Beratungsverträge an, stellen ihnen Gebühren für angebliche Auslagen in Rechnung, bieten teure Hausbesuche an oder verleiten sie dazu, kostspielige telefonische Hotlines anzurufen. „In ihrer Verzweiflung lassen sich die Betroffenen oftmals darauf ein“, sagt Lehmann. Doch das sei absolut der falsche Weg. „Wer bei drei verschiedenen Banken einen Kredit beantragt hat und jedes Mal abgeblitzt ist, der sollte einsehen, dass er mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nirgendwo anders zum Zuge kommen wird“, so der Schufa-Sprecher. „Er sollte sich stattdessen an eine Schuldnerberatung wenden. Die können ihm Wege aufzeigen, wie er aus seiner finanziellen Notlage wieder herauskommt.“

Den Schritt zur Schuldnerberatung empfiehlt auch Verbraucherschützer Pauli all denjenigen, die einen normalen Kredit nicht mehr bekommen. Niemand solle sich der Illusion hingeben, dass er ohne Bonitätsprüfung einen Kredit erhält, warnt Pauli. „Denn ein solches Risiko würde keine Bank eingehen.“ Schließlich habe kein Geldhaus etwas zu verschenken. „Manche Banken, die versprechen, dass sie keine Schufa-Auskunft einholen, holen sich diese Information eben von einer anderen Kreditauskunftei.“

Mit der Bank reden

Ein beliebter Trick der Kreditvermittler in diesem Zusammenhang: Sie kooperieren mit Schweizer Banken. Denn die wenden sich prinzipiell nicht an die deutsche Schufa, führen dafür aber trotzdem eine Bonitätsprüfung durch. Für den Kunden bedeutet das: Erhält er bei einem seriösen deutschen Geldinstitut keinen Kredit, wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit auch bei dem vermittelten Schweizer Bankhaus nicht zum Zuge kommen. Dafür darf er aber fast immer mit hohen Kosten rechnen. Denn zu der Provision, die der deutsche Kreditvermittler nimmt, gesellt sich häufig noch eine zusätzliche Gebühr für eine Agentur in der Schweiz, mit welcher der deutsche Vermittler zusammenarbeitet – und oft auch unter einer Decke steckt.

Auch der Bundesverband deutscher Banken (BdB) rät dringend vor Schufa-freien Krediten ab: „Wir können davor nur warnen“, sagt BdB-Sprecherin Julia Topar. Stattdessen empfiehlt sie, das Gespräch mit der Bank zu suchen, um herauszufinden, warum der Kredit abgelehnt wurde. „Manchmal ist der Grund nur eine Kleinigkeit: Man hat vergessen eine Rechnung zu bezahlen und wurde deshalb von der Schufa in der Kreditwürdigkeit stark herabgestuft.“ Solche Probleme ließen sich im persönlichen Gespräch mit dem Bankberater leicht ausräumen. „Offenheit ist im Umgang mit der Bank immer das beste“, so Topar. Wer dagegen Dinge verschweige, der verspiele im wahrsten Sinne des Wortes jeden Kredit bei seiner Bank.