Die Bundesregierung hat in der Corona-Krise auch ein Hilfspaket für Verbraucher verabschiedet.
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BerlinWirtschaftliche Auswirkungen der Corona-Krise treffen nicht nur Unternehmen. Daran hängen Selbstständige, die durch Verdienstausfälle in private finanzielle Schieflage geraten können, Arbeitnehmer, die in Kurzarbeit geschickt werden oder gar arbeitslos werden und Probleme haben ihre Miete noch zu zahlen. Einige Menschen wägen in einer solchen Situation ab, ob es nicht helfen könnte, gewisse Zahlungen für ein paar Monate auszusetzen. Während dies bei Abos für das Sportstudio oder den Netflix-Account keine negativen Konsequenzen haben wird – zugleich aber wohl auch nicht die Menge an Geld bringt, die oftmals gebraucht wird – kann es bei ausgesetzten Zahlungen für die private Altersvorsorge oder bei einer Stundung von laufenden Krediten größere Folgen haben.

Die Stundung von Konsumenten- und Immobilienkrediten, hat die Bundesregierung innerhalb ihres Hilfspakets für Verbraucher möglich gemacht. Die Banken müssen einem Zahlungsaufschub zustimmen, sofern Verbraucher darlegen können, dass sie im Zuge der Corona-Krise in Geldnot geraten sind. Sally Peters, Geschäftsführerin des Instituts für Finanzdienstleistungen (iff) in Hamburg, rät jedoch, das Angebot nur im Notfall anzunehmen. „Sicherlich ist es in akuter Geldnot besser, Zahlungen zu pausieren, als einen weiteren Kredit aufzunehmen und damit noch mehr Schulden anzusammeln“, so Peters. „Verbraucher sollten sich aber bewusst sein, dass Stundung eben nur einen Aufschub bedeutet.“

So gilt die Regelung aktuell bis Ende Juni. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert zwar die Frist zu verlängern, da absehbar sei, dass Verbraucher noch länger unter der Pandemie und ihren Folgen leiden würden. Und auch einige Banken gewähren ihren Kunden freiwillig eine länger andauernde Stundung. Aber ob nun im Juli oder später – nach Ablaufen der Frist müssen die aufgeschobenen Zahlungen nachgeholt werden. Und der Betrag kann sich in vielen Fällen bis dahin ordentlich summiert haben. „Eine Stundung macht im Grunde nur dann Sinn, wenn ab Juli wieder ein höherer Geldeingang zu erwarten ist“, so Peters. Ansonsten würden sich die finanziellen Probleme nur nach hinten verschieben. „Eine Alternative  kann es auch sein, die Bank zu fragen, ob auch eine Halbierung der Raten auf Zeit möglich ist“, sagt Peters vom iff Hamburg.

Prüfen sollten Verbraucher außerdem, wie sich die Stundung auf die Zinsen auswirkt. So machte Hermann-Josef Tenhagen, Chef des Verbraucherratgebers Finanztip, im Spiegel kürzlich darauf aufmerksam, dass einige Banken für die Verschiebung von Raten Extrazinsen berechnen. Eine Bank würde ihre Kunden außerdem davor warnen, dass sich durch die Stundung „die Laufzeit verlängert und insgesamt mehr Zinsen anfallen“. Da diese Forderungen aber nicht alle Banken erheben, lohnt sich ein Blick ins Kleingedruckte, wie das Geldhaus, bei dem man einen Kredit abgeschlossen hat, mit der Situation umgeht.

Ein weitere Überlegung, neben Kredit-Stundungen, stellen für den einen oder anderen möglicherweise auch die Kündigung von kostenintensiven Verträgen dar, die für die Altersvorsorge gedacht waren. „Für Riester-Verträge, die betriebliche Altersvorsorge, Rürup-Verträge oder private Verträge, zum Beispiel in Form der klassischen kapitalbildenden Lebensversicherung, kann es zwar ratsam sein regelmäßig zu prüfen, ob sich die eigenen Ziele verändert haben und die ursprünglich abgeschlossenen Verträge weiterhin passen“, sagt Mechthild Winkelmann, Pressereferentin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, man solle sich aber nicht unüberlegt und übereilt von ihnen trennen. Bei kapitalbildenden Lebensversicherungen seien die Abschlusskosten nach fünf Jahren meist sowieso schon vollständig bezahlt. Alte Verträge würden aus heutiger Sicht außerdem noch über einen attraktiven Garantiezins von bis zu vier Prozent auf den Sparanteil verfügen. Nur wenn diese Faktoren nicht zutreffen würden – also Abschlusskosten noch nicht abbezahlt und Garantiezins niedrig, sollte man eine Kündigung oder einen Verkauf in Erwägung ziehen.

Bei Riester und Rürup rät Winkelmann ebenfalls, die Verträge soweit möglich weiterlaufen zu lassen: „Wer die Verträge nicht fortführt, schafft sich zwar heute Liquidität, muss dafür aber finanzielle Einbußen in der Rentenphase hinnehmen“, so die Verbraucherschützerin. Bei einer Kündigung eines Riester-Vertrages müssten außerdem sämtliche erhaltene Förderungen zurückgezahlt werden. Bei Rürup-Verträgen ist eine Kündigung zudem gar nicht möglich. „Sie können nur beitragsfrei gestellt werden“, sagt Winkelmann. Und das lässt sich dann in der Regel im Nachgang nicht mehr rückgängig machen.

„Eine Stundung oder ein ruhender Vertrag sind im Zweifel das kleinere Übel als eine Beitragsfreistellung oder eine Kündigung.“ Würden bisher jährlich 2 100 Euro in einen Riester-Vertrag fließen und wird dieser  für ein Jahr gestoppt, entfällt die Grundzulage von 175 Euro, rechnet die Verbraucherzentrale vor, der Versicherte hätte aber monatlich knapp 160 Euro mehr für andere Dinge zur Verfügung. Aber auch das sollte nur eine  Notlösung bleiben.

Weitere Regelungen aus dem Hilfspaket

Erweiterter Mieterschutz: Mietschulden aus dem Zeitraum vom 1. April bis 30. September 2020 sollen nicht zur Kündigung führen dürfen. Wer die Kosten für Strom, Gas, Telekommunikation oder zum Teil auch Wasser krisenbedingt nicht zahlen kann, soll davon nicht abgeschnitten werden.

Unterstützung für Eltern: Eltern, die aktuell mit geringeren Einkünften zu kämpfen haben, sollen leichter an den Kinderzuschlag kommen. Dieser kann bis zu 185 Euro monatlich je Kind betragen. Außerdem sollen Väter und Mütter bei Einkommenseinbußen von einer längeren Lohnfortzahlung profitieren.