Kredite: Wenn der Traum vom Eigenheim an der Bank scheitert

Berlin - Wer die neue Eigentumswohnung in Berlin, Frankfurt oder Köln ergattert, darf sich in diesen Zeiten freuen. Dutzende Mitbewerber hat er oder sie ausgestochen. Ordentliche Wertsteigerungen scheinen gesichert. Und was ist mit der Finanzierung? Kein Problem. Die Banken drängen ihren Kunden Kredite ja geradezu auf, mit Zinsen so niedrig wie nie zuvor. Selbst bei zehnjährigen Laufzeiten begnügen sie sich manche mit weniger als einem Prozent.

Doch so einfach ist es oft nicht, wie viele Verbraucher in diesen Tagen erleben. Völlig fassungslos nehmen sie es auf, dass ihr Immobilienerwerb an der Bank scheitert. Die Institute überlegten sich inzwischen nicht mehr zweimal, sondern dreimal, wem sie noch Geld anvertrauten, berichtet der Finanzberater Volker Looman. Und häufig zerplatzt der Traum vom eigenen Heim selbst bei gut Verdienenden, weil sie keine Finanzierung bekommen.

Bis dato kreditwürdig, jetzt Pleite-Kandidat

Den Ärger darüber sollten die Betroffen allerdings nicht bei den Banken abladen, sondern beim Gesetzgeber, der die Anforderungen an die Kreditvergabe erhöht hat. Mit dem „Gesetz zur Umsetzung der Wohn-Immobilien-Kredit-Richtlinie“ setzte der Bundestag mit Wirkung zum 11. März 2016 eine EU-Richtlinie hierzulande in Kraft.

Möglicherweise aber ist Deutschland die Sache zu gründlich angegangen und hat die Vorgaben der Europäischen Union zu stark verschärft. Jedenfalls gelten bis dato als kreditwürdig geltende Familien oder Singles nun als potentielle Pleitiers. Durch die Reform müssen die Geldhäuser die Kreditwürdigkeit mit deutlich strengeren Kriterien prüfen. Vor allem dürfen sie sich nicht mehr darauf verlassen, dass der Kunde ein attraktives Objekt in einer attraktiven Lage erwirbt, das er im Notfall verkaufen kann.