Berlin - Noch vor kurzem schien es in der Krise Griechenlands eine kurze Atempause zu geben: Am 20. Februar einigte sich die seit Ende Januar amtierende Regierung in Athen mit ihren Gläubigern auf eine Verlängerung des ursprünglich Ende Februar auslaufenden Kreditprogramms um vier Monate. Doch nun, nur wenige Wochen später, hat der griechische Regierungschef Alexis Tsipras offenbar einen Hilferuf an EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker geschickt, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Denn Athen geht das Geld aus. Grund sind die hohen Schulden des Landes.

Was wurde am 20. Februar vereinbart?

Athen einigte sich mit seinen Gläubigern aus Euro-Finanzministern (Eurogruppe) und Internationalem Währungsfonds (IWF) darauf, das alte Kreditprogramm um vier Monate zu verlängern. Dabei beugte sich Athen im Wesentlichen den Forderungen der Gläubiger: Es verpflichtete sich, eine Liste mit Maßnahmen zu erstellen, mit denen es die Auflagen erfüllen will. Diese Liste soll am Montag der Eurogruppe vorgelegt werden. Sind die Gläubiger mit den geplanten Maßnahmen zufrieden, zahlen sie die verbliebenen Gelder aus dem alten Programm aus:

3,5 Milliarden von der EU und 1,8 Milliarden Euro vom IWF. Dazu kommen 1,9 Milliarden Euro von der Europäischen Zentralbank (EZB). Hierbei handelt es sich um Zinsen, die Griechenland auf Anleihen im Besitz der Notenbank gezahlt hat und die vereinbarungsgemäß an Athen zurücküberwiesen werden sollen. Auf ihre Ursprungsforderung nach einem Schuldenschnitt verzichtete die griechische Regierung, nachdem die Gläubiger diesen abgelehnt hatten.

Warum wird jetzt das Geld in Griechenland knapp?

Bereits vor Tagen bat die griechische Regierung die EU und den IWF, Teile der Gelder aus dem alten Kreditprogramm vorzeitig auszuzahlen, vor allem die 1,9 Milliarden Euro Zinseinnahmen der EZB. Doch bislang bleibt die EU hart: „Bevor neue Hilfe freigegeben wird, muss Athen belegen, dass es die Vereinbarungen einhält“, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.

Im Ergebnis steht Athen nun an einer finanziellen Klippe. „Der März ist gesichert“, sagte Finanzminister Giannis Varoufakis, „wie es danach weitergeht, ist unsicher.“ Die Geldknappheit resultiert zum einen aus sinkenden Einnahmen, vor allem aber aus den hohen Ausgaben für den Schuldendienst:

Einnahmen: Die griechische Wirtschaft schrumpft wieder, im vierten Quartal 2014 sank das Bruttoinlandsprodukt um 0,2 Prozent. Das hat Folgen: Im Dezember lagen die Steuereinnahmen um 14 Prozent unter den Planungen, im Januar betrug der Einnahmeausfall sogar 20 Prozent.

Ausgaben: Ihre laufenden Ausgaben kann die griechische Regierung im Wesentlichen aus den Einnahmen bestreiten. Was ihr ohne neue Kredite jedoch das Genick bricht sind Zins- und Rückzahlungen auf alte Kredite. Der März ist dabei ein harter Monat: An diesem Freitag müssen 300 Millionen Euro an den IWF zurückgezahlt werden, im gesamten Monat März erhält der Fonds 1,5 Milliarden Euro von Athen. Dazu kommen rund 600 Millionen Euro an Zinsen an die EU. Zusätzlich muss sich Athen an den Finanzmärkten 4,4 Milliarden Euro leihen, um kurzlaufende Anleihen (T-Bills) zu verlängern. Allerdings findet es kaum noch Geldgeber, nur die griechischen Banken leihen Athen noch Geld.

Wie hält sich Griechenland derzeit über Wasser?

Zum einen wird versucht, über den Kampf gegen Steuerhinterziehung höhere Einnahmen zu erzielen. Aus Privatisierungen sollen weitere Milliarden kommen, allerdings ist hier kurzfristig nicht viel zu holen. Athen hofft daher auf die Auszahlung der ausstehenden Gelder aus dem alten Kreditprogramm über rund sieben Milliarden Euro. Zudem zapft es seine Bar-Reserven an, leiht sich Geld bei Rentenkassen, Pensionsfonds, Universitäten und Krankenhäusern.

Zudem kann die Regierung Zahlungen hinausschieben – laut Medienberichten erhalten Hilfslehrer derzeit kein Gehalt. Auch öffentliche Investitionen kann Athen streichen, um Geld zu sparen. All dies jedoch untergräbt die Wirtschaftsleistung – und ohne Wirtschaftswachstum kommt Griechenland nie aus dem Schuldenkreislauf heraus.

Wie lange hält Athen noch durch?

Bis zum Sommer könnte Griechenland über die Runden kommen. Doch dann wird es hart: Im Juli und August muss es 6,7 Milliarden an die EZB zurückzahlen, dazu kommen 2,2 Milliarden an den IWF. Dieses Geld hat Griechenland nicht. „Ich bin Finanzminister eines bankrotten Staates“ hatte Varoufakis kurz nach seinem Amtsantritt gesagt und einen Schuldenschnitt gefordert.

Woher könnte Griechenland neues Geld bekommen?

Insgesamt muss Griechenland dieses Jahr Schulden in Höhe von 17 Milliarden Euro an die EZB und den IWF zurückzahlen. In den Folgejahren ist der Finanzbedarf deutlich geringer, ab 2020 steigt er wieder, weil dann die Rückzahlung von Krediten des EU-Rettungsschirms und der EU-Staaten beginnt. Da es sich an den internationalen Finanzmärkten kein Geld leihen kann, bleiben nur weitere Kredite von EU und IWF oder ein Schuldenschnitt. Letzterer wird jedoch abgelehnt.

Ebenfalls nicht erlaubt wird Athen eine Ausweitung des Betrags, zu dem es über T-Bills kurzfristig Geld an den Märkten – vor allem bei den eigenen Banken – aufnehmen kann. Dieser Betrag bleibt auf 15 Milliarden Euro begrenzt, und diesen Rahmen hat Griechenland bereits ausgeschöpft. Allerdings werden diese T-Bills laufend fällig, weswegen Athen sich permanent kurzfristig Geld leihen muss.