Das TUI-Schiff „Mein Schiff 2“ an der Anlegestelle im Hamburger Hafen. 
Foto: imago images/Andre Lenthe

HamburgMit 1200 Passagieren legt das TUI-Schiff „Mein Schiff 2“ am Freitagabend in Hamburg ab. Die Touristen starten zu einer dreitägigen Mini-Kreuzfahrt bis zum frühen Montagmorgen, es geht über die Nordsee in Richtung Norwegen. Ein Landgang für die Passagiere ist nicht geplant; dafür enge Einschränkungen für Hygiene und Sicherheit an Bord. Die Passagiere haben viel Platz: Das Schiff ist für 2900 Fahrgäste ausgelegt. Ob sich das für die Reederei TUI Cruises am Ende wirtschaftlich rechnet, ist fraglich. Sie bekommt aber immerhin ein wenig Liquidität in die Kasse.

So wie TUI Cruises wagen sich nach monatelanger Zwangspause auch andere große Kreuzfahrtreedereien wieder an den Markt. Am 5. August soll die „AIDAperla“ von Hamburg zu ihrer ersten Reise nach der Corona-Pause ablegen, am 12. August in Rostock die „AIDAmar“ und am 16. August in Kiel die „AIDAblu“. Die Reederei Hurtigruten mit ihren deutlich kleineren Schiffen ist bereits seit Juni wieder aktiv und bietet sogar zweiwöchige Touren entlang der norwegischen Küste bis zum Nordkap an – allerdings ebenfalls ohne Landgang.

Experten bezweifeln Wirtschaftlichkeit

Auch Hapag-Lloyd Cruises schickt die luxuriöse „Europa 2“ und die kleinere „Hanseatic Inspiration“ wieder auf kurze Touren. Ähnlich verhalten sich Kreuzfahrtreedereien rund um die Welt. Überall gilt an Bord ein strenges Hygiene-Konzept mit den üblichen Regeln. Die Crewmitglieder sollen untereinander und zu den Gästen den Mindestabstand von 1,50 Metern einhalten oder Gesichtsmasken tragen. Die Büfett-Restaurants werden nur bei einigen Anbietern geöffnet sein, aber die Gäste haben nicht selbst Zugang zu den Speisen, sondern diese werden ihnen angereicht. Bevor die Passagiere an Bord gehen, müssen sie einen Gesundheitsfragebogen ausfüllen und ihre Temperatur messen lassen.

Experten bezweifeln, dass dieses Konzept längerfristig trägt. Die Kreuzfahrtreedereien erwirtschaften ihren Gewinn nicht nur mit dem Preis für die Passage, sondern ebenso aus Gastronomie, Boutiquen und weiteren Angeboten an Bord sowie den Arrangements bei Landgängen. All das fällt um mehrere Nummern kleiner aus, wenn kaum mehr als die Hälfte der kalkulierten Passagiere an Bord sein darf. Die Kosten hingegen sind ähnlich hoch wie bei einem voll besetzten Schiff, auch wenn weniger Service-Mitarbeiter und weniger Nahrungsmittel an Bord gebraucht werden.

Die notwendigen Mitarbeiter werden gerade zu ihren Einsatzorten gebracht – getestet und nach einer vorsorglichen Quarantäne. TUI Cruises musste einen ersten Termin für „Mein Schiff 1“ ab Kiel absagen, weil die Belegschaft noch nicht komplett war. Für Aida sind schon drei Flugzeuge aus Asien mit 750 erfahrenen Mitarbeitern gelandet. Doch zehn von ihnen wurden positiv auf das Coronavirus getestet. Die Rekrutierung der Crews ist für die Reedereien logistisch nicht einfach, weil auch der internationale Luftverkehr längst noch nicht wieder rundläuft.

Milliardenverluste und geschrumpfte Aktienkurse

Die Zukunft der Branche bleibt ungewiss, solange die Corona-Gefahr nicht gebannt ist. „Wir fahren auf Sicht“, heißt es bei TUI Cruises. Mit der britischen Firma South Quay Travel, die in Deutschland unter dem Namen Transocean Kreuzfahrten operiert, hat bereits ein Anbieter Insolvenz angemeldet. Alle Reisen wurden abgesagt.

Die großen Konzerne wie die amerikanische Carnival-Gruppe, zu der auch Aida gehört, Royal Caribbean und Norwegian Cruise Line hatten ein dickes Finanzpolster und verfügen bei den Banken noch über Kreditmöglichkeiten. Doch nun haben sie viele Milliarden Dollar verloren und ihre Aktienkurse sind auf ein Viertel zusammengeschrumpft im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit. Investitionen in neue Schiffe sind gestoppt und ältere Schiffe könnten stillgelegt werden. Für die deutschen Werften, die stark auf das Geschäft mit den Kreuzfahrtreedereien angewiesen sind, ist diese Situation bedrohlich.