Angesichts des schwachen Wirtschaftswachstums in Europa empfiehlt der Wirtschaftsforscher Gustav Horn eine expansivere Fiskalpolitik. Die EU-Staaten sollten insbesondere die öffentlichen Investitionen erhöhen, sagte der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Berliner Zeitung.

Gerade in den Krisenländern seien mehr Investitionen nötig, aber auch in Deutschland müsse die Infrastruktur modernisiert werden. Durch höhere öffentliche Investitionen könnten die Staaten die Wirtschaft ankurbeln und damit auch dazu beitragen, dass mehr Arbeitsplätze entstehen, sagte Horn mit Blick auf das Finanzministertreffen der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer, das an diesem Samstag endet.

Ankurbeln und Bremsen

Derzeit widersprächen sich Geld- und Fiskalpolitik in Europa: Die Europäische Zentralbank (EZB) halte die Leitzinsen niedrig und kaufe Anleihen, um die Konjunktur anzukurbeln. Gleichzeitig bremse die Sparpolitik der Staaten das Wachstum. Doch die Notenbank könne nur noch wenig tun, sie habe ihre Möglichkeiten weitgehend ausgeschöpft. Die Staaten könnten hingegen durch mehr Investitionen die Nachfrage innerhalb der Europäischen Union erhöhen und auch private Investitionen anstoßen. Dadurch würde sich die EU unabhängiger von den Schwellenländern machen, betonte der Volkswirt Horn. Das IMK ist angesiedelt an der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in Düsseldorf.