Krisenstimmung bei Schweinehaltern: Rückgang bei Rindern

Der Tiefstand beim Schweinebestand beunruhigt den Bauernverband. Auch bei Rindern sieht die Lage nicht gut aus.

ARCHIV - Zwei junge Wagyu Ochsen steht auf einer Weide.
ARCHIV - Zwei junge Wagyu Ochsen steht auf einer Weide.Guido Kirchner/dpa/Symbolbild

Teltow/Potsdam-Die Schweinehaltung in Brandenburg steckt nach Ansicht des Bauernverbandes in einer Krise. Bauernpräsident Henrik Wendorff sprach am Dienstag von einer Katastrophe. Nach Angaben des Statistik-Amtes vom Montag sank die Zahl der gehaltenen Schweine in Brandenburg auf einen Tiefstand. Danach gab es 2022 erstmals seit 1990 weniger als 600.000 Schweine. Als maßgeblichen Grund für die Entwicklung sieht der Landesbauernverband die Afrikanische Schweinepest, die erstmals in Deutschland im September 2020 in Brandenburg ausgebrochen war.

Verbandspräsident Wendorff sagte laut einer Mitteilung: „Wir verlieren massiv Schweine in Brandenburg“. Damit verliere die Region an Wertschöpfung. „Mit einem derart niedrigen Bestand von weniger als 600.000 Schweinen in Brandenburg decken wir gerade mal 40 Prozent des Bedarfs der Berliner und Brandenburger an Schweinefleisch ab.“ Deutschlandweit ist die Lage bei den Schweinehaltern angespannt, Betriebe geben diesen Produktionszweig auf.

Schweine aus Betrieben in sogenannten Restriktionszonen zum Schutz vor der Schweinepest verlieren dem Landesbauernverband zufolge schlagartig an Marktwert und seien erheblich schwerer zu vermarkten. „Die sinkende Nachfrage nach Fleisch aus regionaler Erzeugung ist ein weiterer Grund des Rückgangs.“ Wegen gestiegener Lebenshaltungskosten griffen Verbraucherinnen und Verbraucher verständlicherweise zum jeweils preiswertesten Fleischprodukt; Herkunft und Haltung seien zweitrangig.

Auch der Rinderbestand in Brandenburg nimmt weiter leicht ab, jedoch ist die Entwicklung nicht vergleichbar mit der Schweinehaltung. Zum Stichtag für die Erhebung am 3. November 2022 gab es 448.300 Rinder - 7400 weniger als im Mai des vergangenen Jahres (- 1,6 Prozent), wie das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg am Dienstag mitteilte. Im November 2021 lag die Zahl der Rinder bei 457.100.

„Weniger Rinder hat es seit der Wiedervereinigung nicht gegeben“, teilte die Behörde in Potsdam zu den aktuellen Zahlen mit. Im Jahr 1991 hatte es in Brandenburg noch um die 780.000 Rinder gegeben.

Bereits in den vergangenen Jahren hatten Milchbauern aufgegeben; die Milchviehhaltung gilt unter anderem als arbeitsintensiv und war großen Preisschwankungen unterlegen. Erzeugerpreise für Milch und Rindfleisch hatten sich zuletzt für die Landwirte aber positiv entwickelt.

Die Zahl der Haltungen hat sich in Brandenburg erhöht. 3900 waren es zum Stichtag im November gut 70 Betriebe mehr als im Mai. Zudem sind die Betriebe in Brandenburg nach wie vor deutlich größer als im Bundesdurchschnitt. Laut Statistikamt errechneten sich 114 Rinder pro Haltung. Für Deutschland lag der Wert bei 85 Tieren. Der durchschnittliche Milchkuh-Betrieb hat in Brandenburg 231 Tiere. Deutschlandweit sind es dagegen 72 Milchkühe je Betrieb.

Vor allem im Norden Brandenburgs gibt es große Rinderbestände. Der Landkreis Prignitz liegt mit 54.200 Tieren an der Spitze, es folgen Elbe-Elster mit 46.100 Rindern und Ostprignitz-Ruppin mit 43.500 Rindern. In der Uckermark werden 42.600 Rinder gehalten.