Yvo van Rijen ist sicher, dass er den Nerv der Zeit trifft. Fleisch essende Verbraucher wollen schließlich wissen, woher ihr Steak kommt, und was läge da näher, als sich gemeinsam eine Kuh zu kaufen und zu schlachten. Das ist jedenfalls der Geschäftszweck des vom Niederländer im bayerischen Aub gegründeten Unternehmens, das seit wenigen Wochen im Internet unter der Adresse kaufnekuh.de aktiv ist.

Wer sie anklickt, kann zum Beispiel feststellen, dass das auf einem Bauernhof in Ravensburg stehende Fleckvieh Nummer 3062 zu neun Prozent verkauft ist. Sobald die Kuh komplett an fleischhungrige Verbraucher veräußert ist, geht es ihr an den Kragen. Sie wird geschlachtet, in Portionen zerlegt und per Kühlwagen an die Käufer ausgeliefert.

Auslauf auf der Wiese

Rijen will nicht den Fleischkonsum an sich ankurbeln. Sagt er zumindest. „Iss weniger Fleisch, aber wenn du welches isst, dann gutes und zurückverfolgbares“, lautet sein Credo. Die Kühe, die er im Internet feilbietet, stammen aus familiengeführten Bauernhöfen in Baden-Württemberg und Bayern. Kaufen können sie Fleischesser bundesweit. Ein gut sieben Kilogramm schweres Rindfleischpaket, in dem von Filetsteaks bis Bratwurst so ziemlich jedes Rindfleischprodukt enthalten ist, kostet knapp hundert Euro. Dazu kommen sechs Euro Versandkosten, woraus sich ein Kilopreis von 14,70 Euro errechnet.

Mangels Zwischenhandel sei das ein fairer Preis, findet van Rijen und die Kühe hätten zudem bis zuletzt ein glückliches Leben. Biobauernhöfe sind es allerdings nicht, mit denen der Niederländer kooperiert. Sein Rindfleisch stammt aus konventioneller Zucht. Gefüttert werde aber nur mit Gras, Mais und Getreide vom jeweiligen Bauernhof. Das Viehfutter sei frei von Antibiotika und künstlichen Stoffen. Die Kühe hätten genügend Platz im Stall und so oft wie möglich Auslauf auf der grünen Wiese. Spezielle Zertifikate oder Verbrauchersiegel bietet kaufnekuh.de jedoch nicht.

„Wir arbeiten nur mit Bauernhöfen zusammen, die viel Wert darauf legen, dass ihre Kühe ein schönes Leben haben“, versichert van Rijen und hofft, dass Kunden ihm das auch glauben. In den Niederlanden hat er einen ähnlichen Internetvertrieb voriges Jahr gegründet und sieht sich damit auf Erfolgskurs. Im ersten Jahr hat der Online-Unternehmer dort 200 Kühe verkauft. Dieses Jahr sind es bereits 300 Tiere und auch Schweine stehen dort mittlerweile zum Verkauf.

Auf Wunsch erhält jeder Käufer in den Niederlanden ein Foto der Kuh, die demnächst seinem Fleischhunger zum Opfer fällt. „Das will nicht jeder“, sagt eine Firmensprecherin. Das Fleisch eines anonymen Tieres zu verzehren, sei das eine, aber der Kuh in die Augen zu schauen, die demnächst auf persönlichen Wunsch geschlachtet wird, ein ganz anderes Ding. Zu persönlich soll ein Einkauf an der virtuellen Fleischtheke dann doch nicht werden.

Nicht warten bis der Magen knurrt

Wirklich revolutionär ist seine Geschäftsidee nicht, räumt van Rijen ein. „Früher haben Menschen oft gemeinschaftlich eine Kuh gekauft und ihr Fleisch geteilt“, sagt er. Aber heute gehe das eben ganz einfach online. Das eigene kleine Dorf, in dem man gemeinsam schlachtet, ist per Internet ein globales geworden oder was kaufnekuh.de betrifft, zumindest ein bundesweites.

Wer sich das Fleisch seiner persönlichen Kuh in 28 Mahlzeiten verpackt nach Hause liefern lassen will, sollte eine Gefriertruhe haben und nicht warten, bis der Magen knurrt. Denn maximal vier Wochen können bis zur Lieferung vergehen. Ob man dann auch preisgünstig einkauft, ist fraglich. Ein Kilogramm hochwertiges Rindersteak koste im Handel 15 bis 17 Euro, Rinderhack als einfache Variante weniger als ein Drittel dessen, sagt Matthias von Mierbach, Vorsitzender des Netzwerks Solidarische Landwirtschaft. Der Kilopreis bei kaufnekuh.de liegt da eher am oberen Ende dieser Spanne, wobei es vom hochwertigen Fleisch geringere Mengen und von Hack oder Würsten größere Gewichtsanteile gebe. Nach Mierbachs Einschätzung ist das Angebot eher für den Bauern gut als für den Kunden.

Das Internet-Unternehmen verortet den eigenen Preis dagegen etwa auf einem Niveau mit der Fleischtheke normaler Fleischer. Vor allem der Zielgruppe kochender Städter im Alter von 35 Jahren aufwärts sei es eben wichtig, den Weg von der Pfanne bis zum Bauernhof zurückzuverfolgen und kein Fleisch aus Massentierhaltung zu kaufen. Für Kühe, die nach Online-Bestellung geschlachtet werden, ist das nur bedingt ein Trost.