BerlinShare Now hat also den Stecker gezogen. Der von BMW und Daimler betriebene Autoverleih hat in Berlin sämtliche Elektroautos aus dem Verkehr genommen und begründet seine Entscheidung mit einer nicht ausreichenden Zahl an Ladesäulen in der Stadt. Es darf zwar bezweifelt werden, dass das der wahre Grund für den Rückzug ist, besser macht das das Berliner Ladenetz für Elektroautos aber nicht. Denn tatsächlich ist die Konkurrenz um eine öffentliche Lademöglichkeit hier so groß wie in keiner anderen Stadt im Land. Acht E-Autos müssen sich derzeit einen Ladepunkt teilen, und Besserung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil.

Laut einer Prognose des Reiner-Lemoine-Instituts wird es im Jahr 2030 in Berlin mindestens 250.000 Elektroautos geben. Den Bedarf an Ladepunkten taxieren die Wissenschaftler dann im Mittel auf etwa 50.000 und lassen dabei an Ein- und Zweifamilienhäusern installierte Ladestationen bereits außer Acht. Heißt also: Im Schnitt müssen bis 2030 jährlich 5000 neue Ladepunkte in der Stadt entstehen, 100 pro Woche.

Der Plan der Senatsverkehrsverwaltung ist ein anderer. In den nächsten zwei Jahren sollen gerade mal 800 Punkte eingerichtet werden. Für die Zeit danach werde ein Ausbaukonzept gerade erarbeitet, heißt es, was nicht gerade nach Hochdruck klingt. Kreative Angebote werden bislang zuverlässig ignoriert. So hatte ein Berliner Start-up bereits vor acht Jahren eine Straßenlaterne zur Ladesäule für E-Autos gemacht, doch bis heute kamen nicht einmal 50 solcher Ladelaternen hinzu, während das Unternehmen in London mittlerweile mehr als 2000 Laternen umgerüstet hat und in New York gerade damit beginnt. Dit is Berlin. Verkehrswende ist das jedenfalls nicht.