Schon im Juli soll die Ukraine die ersten 15 Flugabwehrkanonenpanzer vom Typ Gepard aus Beständen der deutschen Industrie bekommen. Insgesamt bietet der Münchner Hersteller Krauss-Maffei Wegmann (KMW) 50 Stück an, die dann mit Zustimmung der Bundesregierung an die Ukraine gehen sollen.

Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk kann es kaum erwarten, bis die heißbegehrten Waffen mit dazugehöriger Munition in der Ukraine ankommen. Jetzt muss er aber fürchten, dass die Lieferungen sich noch verlangsamen könnten. Denn Jürgen Todenhöfer (81), ehemaliger CDU-Bundestagsabgeordnete und Gründer seiner eigenen Partei „Team Todenhöfer“, will die Gepard-Lieferungen an die Ukraine vor Ort verhindern. Er und seine Unterstützer wollen das „geheimnisvolle Versteck“ vor kurzem gefunden und besucht haben.

Sind die Gepard-Panzer in Rockensußra in Thüringen?

„Wir sind hingefahren und haben es uns angeschaut“, erzählt Todenhöfer der Berliner Zeitung in einem Telefongespräch. „Die Geparde stehen dort. Wir glauben nicht, dass das irgendwelche anderen Geparde sind. Denn sie sind dort schon länger gelagert, unauffällig auf einem Panzerschrottplatz. Sie wurden jedoch nicht auseinandergenommen, sondern sind sorgfältig mit Planen bedeckt.“

Es ist zwar schon länger bekannt, dass die 50 Geparde, die die Panzerschmiede KMW an die Ukraine liefern will, zwischen 1976 und 2012 im Dienst der Bundeswehr waren und seit 2012 wieder im Bestand des Herstellers sind. Doch ihr Standort gilt bisher als geheim.

Es ist ebenfalls kein Geheimnis, dass in Rockensußra in Thüringen seit Jahren Europas größter Panzerfriedhof liegt. Schon 2016 wurden da Schützenpanzer des Typs Marder neben Schützenpanzern des Typs M 113, Kampfpanzer vom Typ Leopard und Gepard gesehen. Die Panzerverschrottungsfirma Battle Tank Dismantling GmbH Koch verwaltet das Grundstück. Sie wurde 2016 gerade von der KMW übernommen und demilitarisiert. Sie demontiert sowie verschrottet Kriegswaffen, so steht es auf der KMW-Webseite, seit 1991. Jetzt sollen die Geparde auf gar keinen Fall verschrottet, sondern für die Ukraine wieder frisch gemacht werden.

Der Hersteller KMW hat sich geweigert, auf die Fragen der Berliner Zeitung zu antworten, ob es sich in Rockensußra wirklich um die Geparde handelt, die für die Ukraine bestimmt sind. „Ihre u.a. Berichterstattung werden wir weder kommentieren noch dazu Stellung nehmen“, antwortete der KMW-Sprecher Knut Peters.

„Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns zu Ihren Fragen nicht äußern können“, teilte ihrerseits eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums mit. Es handele sich bei den Geparden ja nicht um eine Abgabe von Bundeswehrmaterial, sondern vielmehr um ein Paket, das durch die Industrie angeboten und mit der Ukraine verhandelt werde.

„Wir wollen nicht, dass deutsche Panzer bald russische Soldaten töten“

„Momentan spricht alles dafür und fast nichts dagegen, dass diese Geparde in Rockensußra sind“, sagt Todenhöfer weiter dazu. „Sie sind schon länger da, nachlässig mit dem kleinen Stacheldraht geschützt. Man kann aus einer Entfernung von ein paar Kilometern eine Drohne auslassen und sie sehen.“

Woher aber der Protest? „In der Präambel zu unserem Grundgesetzt steht, dass wir als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt dienen müssen“, sagt Todenhöfer. Deutschland trage Verantwortung sowohl gegenüber der Ukraine als auch gegenüber Russland, so der Politiker. „Wir wollen nicht, dass deutsche Panzer bald russische Soldaten töten. Und wir wollen nicht, dass Deutschland zur Kriegspartei wird. Wenn auch nur ein einziger deutscher Soldat in die Ukraine mitreist, vielleicht in der Uniform des Bundesnachrichtendienstes, sind wir sofort in einem Kriegszustand mit Russland. Diese Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, denn jemand soll ja die Fahrzeuge in die Ukraine begleiten.“

Frédéric Todenhöfer
Geparde auf dem Gelände des Panzerfriedhofs in Rockensußra, Thüringen

Sollten diese Panzer eines Tages auf Tiefladern abtransportiert werden, möchte Todenhöfer, dass Friedensaktivisten sich davorstellen. „Wenn 100.000 Menschen auf den Straßen stehen, werden die Lieferanten wirklich versuchen, sich den Weg freizuschießen?“ Man wolle das Gelände genauer beobachten, um den Moment nicht zu verpassen. Todenhöfer motiviert jeden Bürger und jede Bürgerin, die sich „dem Friedensgebot des Grundgesetzes verpflichtet fühlen“, an den Protesten teilzunehmen, „egal von welcher Gruppe oder Partei“.

„Die Bundesregierung muss das Gebot des Grundgesetzes einhalten“

Die Politik hat dafür eigentlich viele Gegenargumente parat: dass die Ukraine etwa das Recht auf Selbstverteidigung habe oder Russland diesen Krieg nicht gewinnen dürfe, wie Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) öfter wiederholt. Todenhöfer zeigt sich jedoch unbeugsam. Er verurteile zwar den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, wolle aber auf jeden Fall verhindern, dass Deutschland Kriegspartei werde. „Außerdem wollen wir verhindern, dass deutsche Munition russische Soldaten tötet.“

Dabei spiele es für Todenhöfer keine Rolle, dass die Geparde eigentlich keine Kampf-, sondern Flugabwehrkanonenpanzer seien, denn auch sie würden Menschen töten. Das würde Putin in die Hände spielen, und er werde den Russen auch sagen können: Wir seien angegriffen worden, also müssten wir uns wehren. „Nirgendwo wurde in den letzten Jahrzehnten in einem Land mit Waffen Frieden geschaffen. Also muss die Bundesregierung das Gebot des Grundgesetzes einhalten und Friedenslösungen finden.“