Die Datenbank erfasst erstmals systematisch mehr als 1200 Landtransaktionen ab einer Größe von 200 Hektar. Laut der Matrix, an deren Erstellung neben der International Land Coalition (ILC) unter anderem auch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und das German Institute for Global and Area Studies (Giga) aus Hamburg beteiligt waren, haben sich seit dem Jahr 2000 internationale Investoren mindestens 83 Millionen Hektar angeeignet.

Die Dunkelziffer dürfte allerdings weitaus höher liegen. Denn die Land Matrix führt im Gegensatz zu anderen Erhebungen nur streng verifizierte Landübernahmen auf, benennt die Investoren, ihre Herkunftsländer und beschreibt die Nutzung der aufgekauften oder gepachteten Flächen sowie die Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung.

Ernte-Export trotz Hungerproblemen

Die Entwicklungsorganisation Oxfam hingegen geht zum Beispiel davon aus, dass von 2001 bis September 2011 weltweit 227 Millionen Hektar von ausländischen Investoren gekauft oder gepachtet wurden.

Besonders viele Deals dokumentiert das Forschungsprojekt Land Matrix für Äthiopien, Sudan, Mosambik, Tansania, Madagaskar, Sambia und die Demokratische Republik Kongo. „Genau das sind Länder mit ernsten Hungerproblemen“, kommentiert Frank Braßel von Oxfam Deutschland die Ergebnisse der Erhebung.

„Viele der Landübernahmen betreffen Flächen, auf denen Nahrungsmittel für die örtliche Bevölkerung angebaut wurden.“ Die Erträge der Flächen, so Braßel, „werden nicht einmal zu einem Prozent auf den lokalen Märkten verkauft.“ Überwiegend seien die Ernten für den Export bestimmt.

Nach den Recherchen der Land Matrix zielen Landübernahmen oft auf Flächen, die bereits von Kleinbauern beackert werden. „Ihre traditionellen Rechte werden oftmals missachtet“, sagt Antti Seelaff, Berater für Bodenpolitik und Landmanagement bei der GIZ. Als Landnutzer würden die lokalen Farmer in die Investitionsmodelle meist nicht eingebunden.

Und Leistungen der internationalen Investoren wie der Transfer von Know-how, die Schaffung von Jobs oder Infrastruktur würden in den Verträgen meist nicht festgeschrieben und seien damit auch nicht durchsetzbar. „Es ist kaum ein Projekt bekannt, bei dem Hoffnungen und Erwartungen der lokalen Bevölkerung erfüllt wurden“, sagt Seelaff.

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