Potsdam - Den Landwirten mal über die Schulter schauen, Einblicke in die Produktion regionaler Lebensmittel bekommen und sich über Ausbildungsmöglichkeiten informieren: Das alles bot am Wochenende die 27. Brandenburger Landpartie. Mit schätzungsweise über 60.000 Besuchern habe sich die Besucherzahl zum Vorjahr fast verdoppelt, wie der Verband Pro Agro am Sonntag mitteilte. Vor der Pandemie kamen um die 100.000 Besucher zu der Agrarveranstaltung.

2020 war die Landpartie wegen der Pandemie ausgefallen. 2021 fand sie eingeschränkt mit rund 35.000 Besuchern statt. Insgesamt waren laut Veranstalter 143 Agrarbetriebe aus allen Landkreisen dabei. In den Jahren vor der Pandemie lag die Zahl bei über 200.

Die Eröffnung durch Brandenburgs Umwelt-und Agrarminister Axel Vogel (Grüne) fand am Samstag bei Hemme Milch im Angermünder Ortsteil Schmargendorf statt. Das Unternehmen verarbeitet den Angaben zufolge jährlich rund 12 Millionen Kilogramm Milch – davon 60 Prozent von eigenen Kühen. Über den Lebensmitteleinzelhandel, Haustürlieferung und einen eigenen Milchladen vermarktet der Betrieb von Gunnar Hemmes neben Milch und Joghurts auch Butter, Quark und Sahne.

„Wir kämpfen um Anerkennung für den Berufsstand, deshalb brauchen wir so einen Tag“, ist Landwirt Christoph Schulz überzeugt. Der 37-Jährige Lausitzer hat bereits zum 15. Mal bei der Landpartie sein Hoftor geöffnet und die Menschen kamen zahlreich, wie er am Sonntag berichtete. Schulz betreibt in Atterwasch (Spree-Neiße) einen Hof mit Direktvermarktung. Er hält Rinder, hat 1500 Legehennen und eine Menge Technik. „Trecker fahren - das ist das, was alle hier wollen“, berichtet er schmunzelnd. Der Landwirt zeigt die Arbeit, die jeden Tag gemacht wird. „Die Wertschätzung für unseren Berufsstand ist höher geworden“, hat er beobachtet.

Die derzeitigen Kostensteigerungen träfen auch ihn allerdings „hammerhart“. Die Menschen achteten mehr auf ihr Geld in der derzeitigen Krise. Andererseits seien die Getreidepreise so hoch wie noch nie, auch die Preise für Rindfleisch seien gestiegen. „Die Balance muss aber da bleiben, dass auch was auf den Höfen ankommt (...)wir brauchen eine Wertschöpfungskette“, forderte er.

Aus dem Ernährungsreport 2021 geht hervor, dass es für 82 Prozent der bundesweit Befragten sehr wichtig ist, dass ihre Lebensmittel aus der Region kommen. Brandenburg hat Anfang 2022 zwei neue Qualitätszeichen für märkische Agrarprodukte eingeführt. Die beiden Siegel „Gesicherte Qualität Brandenburg“ und „bio Brandenburg. Gesicherte Qualität“ sollen gute Erzeugnisse aus der Mark erkennbar machen und den Verbrauchern eine bessere Orientierung bieten. Jetzt sind laut Umweltministerium Erzeuger-, Verarbeitungs- und Vermarktungsbetriebe am Zug, um so Produkte besser an Interessenten zu bringen.

Auch Kinder sollen frühzeitig mit der Landwirtschaft in Berührung kommen. Das hat sich das Projekt „LANDaktiv“ der Heimvolkshochschule am Seddiner See mit Kreativwettbewerben seit 2005 auf die Fahne geschrieben. Vogel zeichnete bei der Eröffnung der Landpartie Preisträger des Grundschulwettbewerbs aus. Sein Ministerium fördert das Projekt mit jährlich 220 000 Euro.

Das Projekt trägt dem Minister zufolge dazu bei, dass Kinder das Leben im ländlichen Raum als Chance begreifen, positive Erfahrungen mit der Landwirtschaft machen und sich vielleicht einmal für „grüne Berufe“ interessieren und entscheiden - als Beitrag zu Ernährungssicherheit, Klima-und Naturschutz.

Für ihr Modell eines Wollschweins gewannen 24 Schülerinnen und Schüler der Kooperationsschule Friesack (Havelland) den 1. Platz. Die fünf Mitglieder der Pappmaché-Arbeitsgemeinschaft der Grundschule „Thomas Müntzer“ Blöhnsdorf in der Gemeinde Niedergörsdorf (Teltow-Fläming) erhielten Platz 2 für ihr „Huhn im Nest“. „Ziegenbock Eduard Sonnenschein“ bescherte sechs Kindern aus der Goethe-Grundschule Göritz in der Uckermark den 3. Rang. Die Gewinner wurden mit Fahrten zur Landesgartenschau, nach Beelitz, einer Klassenfahrt und einer Exkursion zu einem Landwirtschaftsbetrieb belohnt.

Wettbewerbsaufgabe unter dem Motto „Schwein und Co“ war, sich mit der Nutztierhaltung auseinanderzusetzen und ein Nutztier aus Pappmaché zu gestalten. 68 Brandenburger Klassen, Hortgruppen und Arbeitsgemeinschaften hatten über 100 Exponate eingereicht, die beim Unternehmen Hemme-Milch zu besichtigen sind. Darunter sind nach Angaben des Umwelt-und Agrarministeriums tanzende Schweine und Kühe, flauschige Schafe, lustige Ziegen und: eierlegende Wollmilchsäue.