Lausitzer Landwirte bauen mehr Öllein an

„Blaues Gold“ nennen die Spreewälder Öllein. In den Pflanzen wächst der Rohstoff für eine regionale Spezialität heran. Die Anbaufläche ist in diesem Jahr wieder gewachsen. Die Bauern hoffen auf gute Erträge.

ARCHIV - Flachs (Öllein) blüht auf einem Feld in Brandenburg.
ARCHIV - Flachs (Öllein) blüht auf einem Feld in Brandenburg.Patrick Pleul/dpa

Märkische Heide-In der Lausitz wird mehr Öllein angebaut. Die Anbaufläche ist von 160 Hektar im vergangenen Jahr auf 210 Hektar angewachsen, wie der Spreewaldverein am Montag mitteilte. Die Pflanze, aus deren Kapseln später das beliebte Leinöl gepresst wird, wird von vier Landwirten angebaut. Sie hoffen auf eine gute Ernte, da die vorhandene Winterfeuchte gute Aufwuchsbedingungen für die Leinsaat bot. Einzelne Niederschläge sicherten einen guten Auswuchs der Kultur, hieß es unter anderem. Die anhaltende Trockenheit lasse die Pflanzen allerdings schneller aufblühen.

Einer der Anbaubetriebe ist die Agrargenossenschaft Drebkau eG im Kreis Spree-Neiße. Auf 58 Hektar wird dort Öllein angebaut. Die Nachfrage nach Leinöl aus eigenen Rohstoffen wachse, sagte Geschäftsführerin Dagmar Schenke. Zum diesjährigen Ertrag äußerte sie sich noch zurückhaltend. Die große Trockenheit mache die Ausprägung der Körner noch unsicher.

Nach Angaben des Spreewaldvereins lässt sich über den Zeitraum der letzten fünf Jahre eine äußerst positive Entwicklung des Leinanbaus im Spreewald verzeichnen. Das ist demnach vor allem auf die gestiegene Nachfrage der Spreewälder Ölmühlen nach regionalen Rohstoffen zurückzuführen.

Christian Behrendt, Geschäftsführer von der Kanow-Mühle in Golßen, beobachtet allerdings, dass die Nachfrage nach hochwertigen Ölen, darunter auch dem Leinöl, derzeit eher zurückhaltender ist. „Die allgemeinen Preissteigerungen verunsichern den Verbraucher“, sagte er. Das Kaufinteresse richte sich auch bei den regionalen Ölerzeugnissen zurzeit eher auf preisgünstigere Erzeugnisse wie Sonnenblumen- oder Rapsöl.

Lein hat eine vergleichsweise kurze Vegetationszeit. In der Regel vergehen nur 120 bis 125 Tage zwischen Aussaat und Ernte. Die Blüten sind dann verschwunden und die Pflanze beginnt, sich braun und gelb zu verfärben. Braunsamige Sorten dienen der Ölerzeugung. Gelbsamige Sorten werden als Diätlein verwendet. Der Landwirt prüft vor der Ernte den Feuchtigkeitsgehalt der Samen. Liegt dieser unter 9 Prozent, kann die Ernte beginnen. Nach Reinigung der Körner werden die aufbereiteten Leinsamen zum Pressen an die Ölmühlen geliefert.

Auch wenn die Anbauflächen in den letzten Jahren leicht gestiegen sind, ist Spreewälder Leinöl keine Massenware - der Ertrag liegt lediglich bei etwa einer Tonne pro Hektar, wie der Spreewaldverein erklärte.

Das goldfarbene Öl mit nussigen Geschmack, das später aus den Kapseln gewonnen wird, wird in der Brandenburger Küche gern verwendet. Beliebt sind Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl. Die Ölmühlen aus dem Spreewald sind in diesem Jahr auch bei der Landesgartenschau (Laga) in Beelitz zu Gast und präsentieren am 7. und 8. Juli fünf verschiedene Leinölsorten aus regionaler Saat.