Ein bewusster Konsum ist nicht nur nachhaltiger, sondern langfristig auch günstiger.
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BerlinDrei T-Shirts für 2,50 Euro fliegen in den Einkaufskorb und – weil es so schön billig ist – noch ein Paar Sneaker für neun Euro. Solch ein „unbedachtes Konsumverhalten“ hat für Samira Iran von der Technischen Universität (TU) Berlin einen hohen Preis. „Da ist zum einen der Tod von 1135 Menschen beim Einsturz eines Gebäudes, in dem mehrere Textilfabriken untergebracht waren, vor sechs Jahren in Bangladesch“, sagt die Wissenschaftlerin vom TU-Fachgebiet Arbeitslehre/Ökonomie und Nachhaltiger Konsum. 

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Zum anderen belaste der schnelllebige Modekonsum die Umwelt enorm. In Deutschland soll es nach Greenpeace-Schätzungen eine Milliarde von Kleidungsstücken in Privathaushalten geben, die so gut wie nie getragen würden.

Samira Iran und Ulf Schrader, Professor am TU-Fachgebiet Arbeitslehre/Ökonomie und Nachhaltiger Konsum, haben mit Kolleginnen und Kollegen der Universität Ulm ein Projekt gestartet, in dem untersucht werden soll, „wie Jugendliche und junge Erwachsene zu einem umweltbewussten und nachhaltigen Konsumverhalten befähigt werden können“, wie es in einer Mitteilung der TU heißt.

Verschiedene Experimentideen

In sogenannten Reallaboren sollen Schülerinnen und Schüler zusammen mit Lehrkräften und Praxispartnern die Ideen und Experimente für ein solches Projekt entwickeln. „Sie sind also von Beginn an wichtige Akteure“, sagt Samira Iran. „Ein Experiment könnte sein, dass die Schülerinnen und Schüler die Aufgabe erhalten, ein halbes Jahr lang mit 30 zuvor ausgewählten Kleidungsstücken auszukommen – Unterwäsche und Socken ausgenommen“, sagt Samira Iran.

Dies verlange viel Einfallsreichtum und Kreativität, vor allem auch, wenn man sich von seinen Mitschülerinnen und Mitschülern unterscheiden und nicht jeden Tag gleich aussehen wolle. Die Schülerinnen und Schüler könnten die Erfahrung machen, dass ein Leben mit viel weniger Kleidung möglich sei und man sich viel individueller kleiden könne, als wenn man lediglich in die Regale der Billigmarken greife.

Reallabor-Experimente für ein Schulhalbjahr

Andere Reallabor-Experimente könnten die Einrichtung eines Nähcafés sein, in denen Kleidung ausgebessert und Stoffe wiederverwertet würden, oder der Aufbau einer Kleiderbibliothek für den Austausch von Kleidungsstücken. „Aber wie gesagt, wir wollen und werden nichts vorgeben“, sagt Samira Iran.

„Wir gehen von der Annahme aus, dass selbst gemachte Erfahrungen stärker das Handeln beeinflussen als bloßes Faktenwissen.“ Die Reallabor-Experimente sollen laut TU ein Schulhalbjahr lang durchgeführt werden, und zwar an jeweils drei Schulen in Berlin und Ulm mit Acht-, Neun- und Elftklässlern. Start ist Februar 2020.

Die Forscherinnen und Forscher  wollen zugleich herausfinden, ob   sich solche Verhaltensänderungen auch auf das Handeln in anderen Bereichen auswirkten, etwa bei der Ernährung, der Mobilität oder dem Kauf elektronischer Geräte. Das Projekt wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt von 2019 bis 2021 mit etwa 278.500 Euro gefördert.