So ein Einkauf im Supermarkt ist ja nichts, was jeden mit Freude erfüllt. In den Stoßzeiten drängeln sich die Menschen genervt zwischen den Regalen, ungeduldige Kinder quengeln, und hat man erst die Warteschlange an der Kasse überstanden, hetzt oft genug eine wortkarge Verkäuferin die Kunden durch den Bezahlprozess. Schließlich müssen die Einkäufe, besitzt man kein Auto, nach Hause geschleppt werden.

Eigentlich gibt es viele gute Gründe, sich Wurst, Gemüse und Nudeln nach Hause liefern zu lassen statt selbst einkaufen zu gehen. Trotzdem, und obwohl es viele Händler versucht haben, hat dieses Geschäftsmodell in Deutschland bisher kaum Anklang gefunden. Nun könnte womöglich ein neuer Service der Deutschen Post den entscheidenden Anstoß liefern. Der Logistikriese will künftig in immer mehr Metropolen einen Lieferservice ab 18 Uhr anbieten, wenn vom Tag erschöpfte Arbeitnehmer zu Hause angekommen sind und bestellte Einkäufe in Empfang nehmen können.

Logistische Mammutaufgabe

Die Belieferung der Verbraucher mit Lebensmitteln, insbesondere mit verderblicher Ware ist eine der größten logistischen Herausforderungen überhaupt. „Bei gekühlten Produkten und frischen Lebensmitteln kommt es darauf an, dass die Ware im ersten Versuch zugestellt werden kann,“ sagt eine Postsprecherin.

Anders als ein paar neuen High Heels von Zalando oder einer Büchersendung von Amazon kann die Lieferung nicht tagelang beim schwer erreichbaren Nachbarn in der oberen Etage oder auch nur einen Nachmittag in einer ungekühlten Paketstation lagern, denn dann ist sie hinüber.

Die Post will die bestellten Lebensmittel deshalb künftig in Kühlboxen liefern. Diese werden an der Haustür bei der Übergabe sofort ausgepackt, und der Bote nimmt die leeren Behälter umgehend wieder mit. In Köln hat die Post-Tochter DHL das System bereits erprobt und ist damit offenbar zufrieden. Seit Anfang Juli liefert sie auch in Bochum, Gelsenkirchen, Essen, Duisburg und Dortmund Lebensmittel aus. Im Herbst könnte der Service in Berlin starten, sagt die Sprecherin.

Neben Briefmarken und Fanartikel wird die Post aber in Zukunft nicht auch noch Lebensmittel auf ihrer Webseite anbieten. Bestellen können die Kunden nach Angaben der Post in den Onlineshops etablierter Einzelhändler wie etwa Rewe, Kaisers oder junger Firmen wie Mytime, Gourmondo und Allyouneed. Diese Unternehmen verpacken die Bestellungen der Kunden in Kühlboxen, die dann von der DHL abgeholt werden. „Wir wollen nicht Händler sein“, sagt die Post, was nicht ganz stimmt.

Supermarkt der DHL

Denn die Post mischt mehr in dem Geschäft mit, als es zunächst den Anschein hat. Im vergangenen Oktober hat sie nämlich die Mehrheit am Onlinesupermarkt Allyouneed gekauft. Dieser kündigte am Mittwoch prompt an, die Zustellungen auf die Abendzeiten auszuweiten. Zwei Zeitfenster zwischen 18 und 20 Uhr sowie 20 und 22 Uhr gibt es. Allyouneed-Gründer Jens Drubel bezeichnet sein Unternehmen ganz unverblümt als „Supermarkt der DHL“. Sein ehrgeiziges Ziel sei es, das Einkaufen in Deutschland komplett neu zu organisieren. „Das ist vergleichbar mit dem Wandel in der Musikindustrie, von der CD zum Download“, so Drubel.

Große Töne haben allerdings auch schon andere gespuckt, und dann ist es doch nichts geworden. Neben der Logistik hakte es nämlich in Deutschland noch an anderen Dingen: Es gibt keine Tradition der Lebensmittelbelieferung und die Einzelhandelsstruktur arbeitet gegen die Lieferdienste. Die hohe Ladendichte lädt Verbraucher ein, die Einkäufe doch auf dem Weg nach Hause zu erledigen, und der starke Wettbewerb führt zu geringen Margen im Lebensmittelhandel, so dass es schwierig ist, einen Lieferdienst ohne Aufpreis profitabel zu betreiben.

Zudem sind die Sortimente in den Onlineshops oft kleiner als in herkömmlichen Supermärkten, so dass die Konsumenten letztlich doch wieder in die Läden gehen müssen, weil sie nicht alles bekommen. Auch dieses Problem gehen die ersten Unternehmen nun an und vergrößern ihre Sortimente erheblich, so dass sie teils breiter sind als die klassischer Supermärkte. Optimisten glauben, dass in Deutschland schon bald bis zu 15 Prozent der Lebensmittel im Internet gekauft werden.