Fleisch ist heutzutage unglaublich billig zu bekommen.
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Als ich 1962 eingeschult wurde, gaben meine Eltern rund 40 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel aus. Heute wendet ein Haushalt für das – neben Wohnung und Kleidung – Wichtigste im Leben noch vierzehn Prozent auf. Da stimmt etwas nicht, ganz grundsätzlich.

Essen kaufen läuft für die Mehrheit finanziell quasi am Rande. Über den Skiurlaub macht sich eine Mittelstandsfamilie mutmaßlich mehr Gedanken. Wie anders als mit dem Rang von Lebensmitteln als Ramschware lässt sich erklären, dass die ach so preissensiblen Haushalte sieben Millionen Tonnen – von ihnen bezahlte! – Lebensmittel in den Müll werfen? Zwei vollgepackte Einkaufswagen mit einem Wert von 234 Euro – pro Person! Das ist irre. Schon deshalb müssen die Preise rauf. Aber auch, weil erstens die regional und sorgsam produzierenden Bauern für ihre Arbeit bezahlt werden müssen, weil zweitens die Tierhaltung weg muss von den schändlichen Verhältnissen, weil drittens Essen lecker sein soll und nicht auf Turbo gedrehter Pseudofraß, der Geschmack chemisch vortäuscht, weil fünftens, sechsten, siebtens … Aber was ist mit den Leuten mit wenig Geld, die beim Essenkaufen jeden Cent umdrehen? Die brauchen mehr Information und mehr Geld: Hartz IV, Mindestlohn, Kindergeld.

Der Agrargipfel im Kanzleramt mahnt den Handel zu Fairness, zu Verzicht auf Preisdumping, zu mehr regionalen Angeboten, zu Abnahmegarantien, zu Zahlungsmoral. Das mag Entgleisungen erschweren. Doch das aus der Balance geratene System bleibt wie es ist, solange zu viele Verbraucher sich Verschwendung locker leisten. Denn die Wahrheit ist: Verschwendung macht arm. Alle.