Berlin - Als vor drei Jahren die Seite Lebensmittelklarheit.de online ging, hatten die Verbraucherzentralen noch eine Medienkampagne geplant, um das Portal bekannt zu machen. Bereits am ersten Tag wurde deutlich, dass es dessen nicht bedurfte: Nach kurzer Zeit gab der Server wegen Überlastung den Geist auf. Das Interesse der Verbraucher an verständlichen Informationen zu Herkunft und Beschaffenheit von Lebensmitteln war überwältigend.

Und so blieb es. Mehr  als 580 000 Mal wurde die Seite Lebensmittelklarheit.de allein in den ersten acht Monaten dieses Jahres aufgerufen.  Insgesamt 8300 Lebensmittel  nannten Konsumenten den Verbraucherschützern, weil sie sich durch Produkt-Hinweise auf den Verpackungen getäuscht fühlten. Das vom Bundeslandwirtschaftsministerium mit insgesamt zwei Millionen Euro geförderte Projekt zeigte auch auf Seiten der Hersteller Wirkung. Ein Drittel der kritisierten Firmen reagierte mit veränderten –und wirklichkeitsnäheren - Beschriftungen oder Logos auf den Verpackungen. Bei Bio-Produkten liegt die Quote sogar bei 60 Prozent. Beispiel: Frisch- und H-Milch mit der Bezeichnung „Mark Brandenburg“ stammt mittlerweile tatsächlich von Brandenburger Bauernhöfen.

So bemerkenswert solche Erfolge sind, so bewegt sich der Fortschritt auf politischer Ebene doch im Schneckentempo. Nach jahrelangen Verhandlungen setzt die EU-Kommission Anfang Dezember einheitliche Vorschriften zu Angaben auf Lebensmittelverpackungen in Kraft. In manchen Bereichen verbessert die „Lebensmittelinformationsverordnung“ mit präzisen Vorgaben die Kennzeichnung der Artikel, in anderen lässt sie alles beim Alten, in dritten werden mögliche Änderungen noch geprüft.

Herkunftskennzeichnung leicht zu umgehen

So werden einerseits bisher nur für Rindfleisch vorgeschriebene Herkunftsgaben auch für Geflügel, Schweine-, Lamm- und Ziegenfleisch eingeführt. Das entspricht, wie Umfragen zeigen, dem Wunsch der meisten Verbraucher. Andererseits entfällt die Informationspflicht aber, sowie das Fleisch „verarbeitet“, also etwa gewürzt oder mariniert wurde. Da reicht schon eine Prise Salz aus, um durch „Verarbeitung“ die Herkunftskennzeichnung zum umgehen. Zudem werden die Angaben für Geflügel, Schwein und Co. nicht so umfangreich sein wie sie es wegen der BSE-Gefahr für Rindfleisch seit mehr als zehn Jahren sind. Die neuen Vorschriften betreffen nur Mast und Verarbeitung, nicht aber den Geburtsort der Tiere.

Auch verbindliche Herkunftsangaben für  Fleischzutaten – etwa Schinken auf der Tiefkühlpizzas – sowie  für  Milch und Milchprodukte wird es vorerst  nicht geben. Die EU-Kommission prüft lediglich, ob eine entsprechende Kennzeichnung - auch unter Kostengesichtspunkten – machbar wäre und im Interesse der Verbraucher läge.

Dabei ist letztere Frage so schwer nicht zu beantworten: In Umfragen der Uni Göttingen gaben mehr als die Hälfte der Menschen an, ihnen seien wahrheitsgemäße Herkunftsangaben sehr wichtig.  Zugleich zeigen Tests der Göttinger Wissenschaftler, wie leicht man dabei hinters Licht geführt werden kann: Fast drei Viertel der Probanden hielten eine deutsche Pesto-Zubereitung mit italienischer Flagge und der Aufschrift „Pesto alla Genovese“ für ein italienisches Erzeugnis, obwohl dies ausdrücklich nirgends behauptet wurde. Solche Etiketten bleiben nach der neuen EU-Verordnung erlaubt.