Frankfurt am Main - Der 6. September 2012 hat das Zeug, in die Annalen der Vereinigten Staaten von Europa einzugehen. Gemeinsam mit Mario Draghi, dem Chef der Europäischen Zentralbank (EZB). Vereinigte Staaten von Europa? Gewiss, bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Doch ohne den Mut und die Weitsicht von Mario Draghi, wären die Tage des Euro gezählt und damit wohl auch jene des gemeinsamen Europas.

So wie Historiker  heute den Amerikaner Alexander Hamilton gerne als jenen Mann feiern, der  der gemeinsamen Währung, dem Dollar,  1790 ein  Finanzministerium  zur Seite stellte.  Bis dahin gab es die US-Währung bereits in mehreren Staaten als Zahlungsmittel, aber ähnlich wie  in Euroland war sie ohne politischen Überbau. Dass eine Währungsunion im losen Staatenbund nicht gut funktionierte, erkannte Hamilton 220 Jahre früher als die Gründungsväter des Euro  und ebnete einer starken Zentrale den Weg. Wie? Indem er die Schulden der einzelnen Staaten in Schulden der Zentrale verwandelte. 

Notenbank kann Gemeinschaftswährung retten

Nun verwandelt Draghi mit dem neuen, unbegrenzten  Anleiheankaufprogramm nicht nationale Schulden in europäische, zumindest nicht direkt. Aber er folgt der Einsicht der Mehrheit der Experten, dass in der akuten Krise nur die Notenbank die Gemeinschaftswährung retten kann. Warum? Na, weil es ein europäisches Finanzministerium noch nicht gibt. Und da sich die Anleger von keinem noch so großen Rettungsschirm überzeugen lassen und da auch die nationalen Regierungen der Gläubigerländer müde sind, immer noch größere Haftungssummen ihren Bürgern erklären zu müssen.

Die EZB dagegen hat den unglaublichen Vorteil, dass sie das Geld, das sie zum unbegrenzten Ankauf benötigt, bildlich gesprochen selbst drucken kann. Damit kann sie sich allen spekulativen Attacken entgegenstellen und wird gewinnen. Denn kein Investor hat  unbegrenzt Geld.

Sicher, gerade von deutschen Ökonomen  und  aus  der Bundesbank kommt Kritik. ´Ohne selber je einen Vorschlag zur kurzfristigen Lösung der Eurokrise  vorgelegt zu haben, haben die deutschen Währungshüter drei Einwände. Einwände, die Draghi mit seinem klugen Programm oder mit guten Argumenten entkräften kann.

Im  Rettungsschirm hat erstens die Politik das Sagen, ist die demokratische Legitimation  höher als bei der EZB. Zweitens entsteht damit der Nukleus einer gemeinsamen Euro-Wirtschaftsregierung. Und drittens macht die EZB überdeutlich, wer seinen Hausaufgaben zu machen hat, nämlich die nationalen Regierungen. 

Um in die Geschichtsbücher eingehen zu können, braucht es den richtigen Zeitpunkt, die  richtige Strategie  und die richtige Antwort auf die Krise. Schaut so aus, als sei Mario Draghi das Kunststück gelungen.