Es gibt in der jüngeren deutschen Wirtschaftsgeschichte einige Beispiele für Arbeitskämpfe, die länger als sieben Jahre gedauert haben. Einiges spricht dafür, dass der Tarifstreit der Lufthansa mit ihren Piloten in solche Dimensionen erreicht – gut vier Jahre währt er schon.

Piloten aktzeptieren die neue Situation noch nicht

Jetzt sind die Gespräche wieder einmal abgebrochen worden. Es geht um Grundsätzliches. Die über Jahrzehnte gehätschelten Flugzeugführer sind in ihrem Selbstverständnis noch immer die eigentlichen Chefs im Konzern. Entsprechend nutzen sie Tarifverhandlungen, um sich in strategische Fragen einzumischen – vor allem mit welchen Konditionen die Billigtochter Eurowings arbeiten soll.

Das hessische Arbeitsgericht hat aber schon voriges Jahr entschieden, dass die Vermischung so nicht sein darf. Das macht es für die Piloten schwerer, weitere Streiks zu organisieren, sie können erheblich weniger Druck entwickeln – was die Verhandlungen in die Länge ziehen dürfte.

Ein Lernprozess ist notwendig

Hinzu kommt: Die Piloten müssen einen tiefgreifenden Lernprozess durchmachen. Dass sie nämlich nicht mehr so zu ihren eigenen Gunsten mitregieren können, wie das in der Vergangenheit üblich war. Die Billigkonkurrenz fliegt der Lufthansa in Europa davon, weil sie mit erheblich geringeren Kosten zurechtkommen.

Für die Piloten bedeutet das langfristig, dass das sehr üppige Gehaltsniveau abgesenkt werden muss. Lernprozesse sind langwierig, vor allem wenn dazu viele bittere Lektionen gehören.