Strandleben in Heringsdorf auf Usedom.
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BerlinMein alter Chef fragt: Wie hältst du es aus in Corona-Zeiten mit deiner Reiselust? Bleibst im Garten dieses Jahr, oder? Die Frage setzt mir zu. So schön kann kein Garten sein, dass es mich einen Sommer darin hielte. Den zweifelhaften Ruf einer latent Reisesüchtigen habe ich mir seit dem Mauerfall wohl redlich erworben. Ich wollte immer weg.

Und nun das. Zuletzt schloss sich selbst die Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern – Zugang nur für Einheimische! Das hatte Manuela Schwesig in wildem Übereifer vor Ostern verfügt. Nur ein Gericht konnte sie stoppen, als sie nicht mal Besucher aus dem eigenen Bundesland auf ihre Inseln lassen wollte. Als würden Tagesgäste, die weder offene Hotels noch Restaurants finden, nach einem Strandspaziergang die Beatmungsgeräte der Inseln blockieren!

Langjährige Bewohner von Zweitwohnungen wurden von Polizisten aufgespürt und zu sofortiger Abreise genötigt. Meine Freundin drängelte sich mit der Familie im Park, weil sie nicht in ihr Wochenendhaus ohne Nachbarn durfte. Der Schriftstellerin Monika Maron, zum Arbeiten auf ihrem einsam gelegenen Landsitz, wurde eine „Ausreiseverfügung“ zugestellt.

Steuern und Abgaben für ihren Besitz dürfen aber alle weiter zahlen. Und für das Kurzarbeitergeld an der Ostsee kommt der Bund auf. Mecklenburg-Vorpommern registrierte stets die wenigsten Corona-Infizierten und hatte zur fraglichen Zeit mehr freie Intensivbetten als der Bundesdurchschnitt.

Zu Pfingsten will Vorpommern seine Strände nun wieder öffnen, gehören ja zur DNA des Landes, wie Schwesig gern formuliert. Klar, wenn an ihnen verdient werden kann, dürfen Touristen kommen. Aber nicht, um einfach am Strand zu spazieren.

Ich werde mir dieses Jahr etwas anderes suchen als einen Platz an der Ostsee. Dann lieber den Tourismus im Thüringer Wald retten.