Jitse Groen, Chef und Gründer des niederländischen Lieferkonzerns Just Eat Takeaway, versuchte bei der Vorlage der Zahlen für das Jahr 2021 die Gemüter zu beruhigen, bevor er konkret wurde. Die Verluste, sagte er, hätten  in der ersten Hälfte des Jahres ihren Höhepunkt erreicht. Nun mache das Unternehmen „rasch Fortschritte in Richtung Rentabilität“. Dann kam es dick: Der Gastro-Logistiker, zu dem hierzulande Lieferando gehört, brachte es im vergangenen Jahr auf einen Verlust von 1,044 Milliarden Euro, fast siebenmal so viel wie im Jahr zuvor. Da lag der Fehlbetrag noch bei 155 Millionen Euro.

Es waren vor allem der teure Erhalt und die kostspielige Sicherung von Marktanteilen, die das Unternehmen weit in die rote Zone der Geschäftsführung trieben. So sorgte insbesondere die Übernahme des US-Lieferdienstes Grubhub für ein beträchtliches Minus. Dabei lief das eigentliche Geschäft prächtig. Immerhin stieg der Umsatz 2021 weltweit um knapp sieben auf mehr als 28 Milliarden Euro.

Allein in Deutschland verzeichnete das Unternehmen nahezu 50 Millionen Bestellungen mehr, was den Umsatz von Lieferando um 50 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro wachsen ließ. Hierzulande ist der orangefarbene Dienst mit einem Anteil von knapp 98 Prozent zwar Marktführer, doch wächst die Konkurrenz. Vor allem der US-Gigant Doordash, der in Europa den Lieferdienst Wolt übernommen hatte, dürfte Lieferando das Leben schwer machen. Zudem hat Uber Eats gerade erst die rasche Expansion in Deutschland angekündigt.

Darüber hinaus rumort es intern. Erst vor wenigen Wochen waren bundesweit Lieferando-Fahrer auf die Straße gegangen, um unter anderem Sonn- und Feiertagszuschläge sowie einen Stundenlohn von 15 Euro einzufordern. Derzeit zahlt Lieferando elf Euro pro Stunde. Im Takeaway-Organigramm gehört Deutschland zu Nordeuropa und laut Groen zum profitabelsten Teil des Konzerns. 2021 wurden hier 256 Millionen Euro eingespielt.