Bei Delivery Hero geht es seit der Gründung steil nach oben.
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BerlinDer Berliner Essenslieferant Delivery Hero setzt seine weltweite Expansion fort. Am Freitag gab das börsennotierte Unternehmen die Übernahme der südkoreanischen Firma Woowa Brothers bekannt, deren Wert auf etwa 3,6 Milliarden Euro taxiert ist.

Delivery Hero wird für 82 Prozent des Unternehmens etwa 1,7 Milliarden Euro in bar sowie 1,9 Milliarden Euro in neuen Delivery Hero-Aktien zahlen. An der Börse war man nach der Bekanntgabe begeistert. Die Aktie verteuerte sich am Freitag um mehr als 20 Prozent und hob den Börsenwert von Delivery Hero auf fast zwölf Milliarden Euro. Damit ist der Essenslieferant aus Mitte teurer als die Lufthansa und auch eine Milliarde teurer als Zalando.

Viertgrößter Markt in der Welt

Im ehemaligen Institut für Post- und Fernmeldewesen in der Oranienburger Straße, von wo aus das erst 2011 gegründete Unternehmen geführt wird, verspricht man sich einiges von der Übernahme. Denn Südkorea gilt bereits heute als viertgrößter Markt für Lieferdienste von Speisen und Getränken und Woowa Brothers dort als ein wichtiger Player.

So betreibt der ebenfalls 2011 in Seoul gegründete App- und Werbeplattform-Entwickler den größten Online-Essenslieferservice in Südkorea, der dort täglich rund eine Million Bestellungen bearbeitet und seit Jahresbeginn auch in Vietnam vertreten ist.

Delivery Hero-Chef und -Gründer Niklas Östberg jedenfalls ist äußerst hoffnungsvoll. „Woowa Brothers ist bei innovativen technologischen Dienstleistungen führend“, sagte er am Freitag. Derweil sieht Woowa-Chef Bongjin Kim auf dem südkoreanischen Markt „enorme Möglichkeiten, den Kundenstamm zu vergrößern und auf benachbarte On-Demand-Services auszudehnen“.

Rückzug aus Deutschland

Das passt zu Delivery Hero. Denn auch dort geht es seit Gründung steil nach oben. Allein in den vergangenen zwei Jahren legte die Zahl der Bestellungen um 135 Prozent zu, der Umsatz um mehr als 200 Prozent und summierte sich 2018 auf fast 700 Millionen Euro. Heute beschäftigt das Unternehmen nach eigenen Angaben 22 000 Mitarbeiter in 40 Ländern. Die Hauptmärkte sind Nordafrika und Nahost sowie Asien, Delivery Hero im vergangenen Jahr etwa drei Viertel seiner Umsätze generierte. Amerika trug neun Prozent zum Umsatz bei, 17 kommen aus Europa.

Hierzulande organisiert das Berliner Unternehmen indes keine einzige Pizza- oder Burger-Lieferung mehr. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr verkaufte Delivery Hero sein Deutschland-Geschäft samt der Marken Foodora, Lieferheld oder Pizza.de an den niederländischen Konkurrenten Takeaway (Lieferando).

Delivery Hero kassierte dafür 930 Millionen Euro und sparte zudem viele Geld, weil ein erbitterter Konkurrenzkampf ein Ende fand, der bei den Beteiligten jeweils Marketingkosten in zweistelliger Millionenhöhe verursachte. Die deutschlandweit etwa 2 500 Fahrradkuriere bei Foodora, die auch für Pizza.de und Lieferheld fuhren, waren immerhin festangestellt und wurden oberhalb des  Mindestlohns bezahlt. Unmittelbar nach dem Verkauf hatte Firmenchef Östberg angekündigt, sieben Millionen Euro an die Mitarbeiter in Deutschland auszahlen.

Mit Investitionen von Rocket Internet

Östberg hatte die Firma zusammen mit Kolja Hebenstreit, Markus Fuhrmann und Lukasz Gadowski gegründet. Während Hebenstreit und Fuhrmann heute vornehmlich als Investoren in der Start-ups-Szene unterwegs sind und Lukasz Gadowski inzwischen den E-Scooter-Verleiher Circ gegründet hat und führt, ist Östberg bis heute dabei. Tatsächlich verstand er es, das Unternehmen wachsen zu lassen und dafür bei Investoren Geld einzusammeln.

Hilfreich war dabei wohl, dass im Frühjahr 2015 die Berliner Firmenfabrik Rocket Internet mehr als eine halbe Milliarde Euro in Delivery Hero steckte und sich dafür 38,5 Prozent der Firma sicherte. Für Rocket hat es sich gelohnt. Denn als Delivery Hero im Sommer 2017 an die Börse ging, beendete die Aktie des Essenslieferanten schon den ersten Tag mit einem Plus von über fünf Prozent.

Seitdem hat sich der Wert der Aktie mehr als verdoppelt und Rocket Internet seine Beteiligung längst versilbert. Das Unternehmen hält heute nur noch etwa fünf Prozent an der Firma, übrigens nach wie vor tief in den roten Zahlen steckt.