Angesichts steigender Infektionszahlen sei die Lockdown-Verlängerung zwar nicht überraschend, teilte der Zentralverband des Deutschen Handwerks am Dienstag in Berlin mit. Sie sei aber für viele Handwerksbetriebe ein großer Schock. „Damit mag ein Kollaps des Gesundheitssystems vermieden werden. Ein breitflächiger Betriebe-Kollaps wird jedoch immer wahrscheinlicher“, betonte der ZDH. Viele Betriebe würden wegen eines fehlenden Planungshorizontes und stockender oder unzureichender Überbrückungshilfen nicht überleben können.

Der Verband lobte zugleich, dass die Bundesregierung weitere Hilfen für besonders schwer und über lange Zeit betroffene Betriebe entwickeln will. „Allerdings wird dies nur wirken können, wenn die Betriebe dann anders als bei vorherigen Programmen auch wirklich unbürokratisch und sehr schnell an die Hilfen kommen.“

Zugleich kritisierte der ZDH die Politik wegen der vergleichsweise schleppenden Zahl von Impfungen. „Impfen ist das zentrale Instrument, mit dem wir aus dieser Pandemie herauskommen. Hier hakt es weiter erheblich mit fatalen Folgen.“ Mit schnellem Impfen und Testen könne man unabhängig von den Fallzahlen wieder mehr öffnen.

Bund und Länder hatten beschlossen, das öffentliche, private und wirtschaftliche Leben über Ostern weitgehend herunterzufahren, um die dritte Welle der Pandemie zu brechen. Der seit mehr als drei Monaten geltende Lockdown wird um drei Wochen bis zum 18. April verlängert.

Das Kfz-Gewerbe (ZDK) befürchtet, dass mit der erneuten Verlängerung und Verschärfung des Lockdowns die Krise im Automobilhandel befeuert werde. „Der zentrale Vertriebskanal der volkswirtschaftlich bedeutenden Automobilbranche bleibt dicht, und das schon seit Mitte Dezember 2020“, kritisierte ZDK-Präsident Jürgen Karpinski. „Nicht nur im Handel müssen wir uns auf ein desaströses Autojahr 2021 einstellen. Viele Existenzen im mittelständischen Kraftfahrzeuggewerbe stehen auf dem Spiel.“

Nach drei Monaten Berufsverbot seien Verständnis und Geduld der Autohändler komplett aufgebraucht. Wegen große Verkaufsräume, geringer Kundenfrequenz und erprobter Einhaltung der Corona-Schutzauflagen seien Autohäuser fast so sicher wie der Aufenthalt im Freien. Viel wirksamer und weniger einschneidend seien flächendeckende Schnelltests und Systeme digitaler Kontaktnachverfolgung. Außerdem müsse der Impfprozess deutlich beschleunigt und auf breitere Bevölkerungsgruppen ausgeweitet werden.