Der Einsatz von schlecht bezahlten Leiharbeitern in der Fleischindustrie hat nach Gewerkschaftsangaben rund ein Fünftel der regulären Arbeitsplätze in der Branche vernichtet. „Es ist eine Entwicklung, die seit Jahren anhält“, sagte der Chef der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) , Franz-Josef Möllenberg. In den letzten Jahren seien wegen des Lohndumpings rund 20 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Jobs in der Fleischindustrie weggefallen. Für die Gewerkschaft sei der Skandal um Leiharbeiter-Kolonnen nicht ganz neu: „Ja, wir wissen sowas. Wir haben mit den Behörden zusammengearbeitet“, sagte Möllenberg.

Nur ein Euro pro Schwein

Die deutsche Fleischindustrie ist für ihr Lohndumping berüchtigt. So wird in Deutschland zum Beispiel oft nur 1,03 Euro für das Zerlegen eines Schweines bezahlt. Zum Vergleich: In Belgien sind es dank Mindestlohn rund 4,50 Euro. Möglich wird der Kampfpreis in Deutschland durch den massenhaften Einsatz osteuropäischer Billiglöhner, der auch noch staatlich gefördert wird. So sollen in deutschen Schlachthöfen Leiharbeiter-Kolonnen systematisch schwarz beschäftigt worden sein.

Aktuell ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen 22 Beschuldigte und ein Firmengeflecht von rund zwei Dutzend Unternehmen. Bereits Mitte Mai hätten 450 Polizisten, Zollbeamte, Steuerfahnder und Staatsanwälte bundesweit an 90 Orten Büros und Wohnungen durchsucht. Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, dass mit dem Einsatz der Leiharbeiter aus Rumänien und Polen von den Leiharbeitsfirmen Steuern und Sozialabgaben in Millionenhöhe hinterzogen wurden. „Die Arbeits- und Lebensbedingungen der meist osteuropäischen Arbeiter auf deutschen Schlachthöfen sind ein Skandal“, kritisierte der Chef der IG Bauen-Agrar-Umwelt, Klaus Wiesehügel. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) habe „die Augen davor verschlossen und die Menschen in ihrem Elend alleine gelassen“, so Wiesehügel in seiner Funktion als Schatten-Arbeitsminister im Team von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Die Bundesregierung habe offensichtlich nicht die Absicht, gegen den Missbrauch vorzugehen. (dpa/BLZ)