Die Frage ist schon seit Monaten nur noch, wie tief die Personalschnitte beim europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS gehen und welche Standorte es erwischt. Genau genommen ist dieses Schicksal klar, seit vor allem die Bundesregierung vor Jahresfrist eine Fusion mit dem britischen Rüstungsriesen BAE Systems verhindert hat. Das wäre die letzte Möglichkeit für EADS-Chef Tom Enders gewesen, im kriselnden Rüstungsgeschäft die Flucht nach vorn anzutreten. EADS und BAE wären dort zusammen auf außereuropäischen Wachstumsmärkten eine Macht gewesen. Zudem ist BAE am weltgrößten Rüstungsmarkt USA so gut aufgestellt, wie sonst kein nicht-amerikanischer Konkurrent. Briten und USA pflegen enge Kontakte, wenn es um Streitkräfte und deren Lieferanten geht.

Seit die britische Option vom Tisch ist, bereitet Enders seinen Konzern auf den Verteidigungsfall vor. Es wird ein geordneter Rückzug, egal ob am Ende 5 000 oder 8 000 Arbeitsplätze gestrichen werden. In die Tausende geht es in jedem Fall und das bei einer gesamten Beschäftigtenzahl der Krisensparten von der Rüstungstochter Cassidian über die Raumfahrttochter Astrium bis zum Militär-Airbus von rund 45 000 Leuten europaweit.

Aufschrei in der Politik

Ein Großteil davon – mehr als ein Drittel – arbeitet in Deutschland, wo es das Personal und die Standorte besonders hart treffen wird. Die Cassidian-Zentrale residiert in München und wird mutmaßlich geschliffen. Das größte Rüstungswerk steht in Manching bei Ingolstadt, wo der Kampfjet Eurofighter gebaut wird. Gewerkschaften und Betriebsräte wollen betriebsbedingte Kündigungen vermeiden. Bei einem Abbau der angepeilten Dimensionen wäre das nur möglich, wenn dafür mehrere Jahre zur Verfügung stehen.

Das Bedauern über den Kahlschlag dürfte sich vielfach in Grenzen halten. Arbeitsplätze in der Rüstungsbranche haben keinen guten Ruf. Vorprogrammiert ist eher ein Aufschrei der Politik. Die ist aber maßgeblich dafür verantwortlich, was nun passiert, nicht nur wegen der verhinderten Fusion. Sie streicht auch europaweit ihre Beschaffungsbudgets zusammen, einmal weil eine Bedrohung fehlt und zum andern weil mit dem Geld diverse Banken oder EU-Staaten gerettet werden müssen.

Für den Eurofighter gibt es nicht nur keine Nachfolgeaufträge und auch kein Drohnen-Programm. Vielmehr werden auch bestehende Beschaffungsprojekte wie Eurofighter und Militärtransporter A400M immer wieder gekürzt. Die jetzigen Kürzungen könnten an die Substanz des militärischen Flugzeugbaus gehen. Wenn es politisch gewollt ist, dass Deutschland solches Gerät künftig nicht mehr baut, geht das in Ordnung.

Sollte es aber nur vorübergehender Finanzknappheit geschuldet sein, könnte das Erwachen ein Böses sein. Verloren gegangene Technologien sind heutzutage kaum noch rückholbar. Zum anderen gingen dann auch technologische Abstrahleffekte des militärischen Flugzeugbaus für die Entwicklung der Passagierflugzeuge verloren und müssten dort künftig eigens entwickelt werden. US-Erzrivale Boeing dürfte das Geschehen in Europa entspannt verfolgen.