Berlin - Sie ist eine auffällige Erscheinung. Nicht nur wegen ihrer Größe. Ihr Rumpf ist nicht rund, sondern elliptisch. Auch die schwarz umrandeten Cockpitfenster fallen auf, so als trage sie eine Sonnenbrille. Airbus präsentierte jetzt auf der Berliner Luftfahrtschau ILA ihr neuestes Produkt: die A350. Der Konzern preist sie als das „modernste Flugzeug weltweit“. Doch die Entwicklung geht weiter. Der Bedarf nach kraftstoffsparenden Maschinen wächst. Sie sind das wichtigste Werkzeug im harten Wettbewerb der Airlines.

Airbus-Chef Fabrice Bregier versichert: „Wir sind im Zeitplan mit der A350.“ Der sieht so aus: Im Sommer soll die Zertifizierung abgeschlossen sein. Das heißt die Maschine hat dann so etwas wie die Tüv-Zulassung – das Exemplar, das am Dienstag in Berlin stand, ist eines von fünf Testflugzeugen. Im vierten Quartal soll die erste Maschine ausgeliefert werden. An Qatar Airways. Deren Chef Akbar al Baker hat schon gemault. Wenn das mit den Tests so gut laufe, dann könne der Jet doch schon früher ausgeliefert werden.

Trend geht zu größeren Flugzeugen

Er scheint ihn dringend zu brauchen, nicht nur aus Imagegründen. Nichts ist den Airlines so wichtig, wie das, was die Manager „Effizienz“ nennen. „Es gibt einen klaren Trend zu immer größeren und größeren Flugzeugen“, sagte Airbus-Verkaufschef John Leahy in Berlin. Und er führte mehrere Beispiele auf, wie Fluggesellschaften schon jetzt immer häufiger kleinere Jets mit einem Gang durch größere Maschinen mit zwei Gängen ersetzen. Damit lassen sich die Kosten im günstigsten Fall fast halbieren. Für Leahy besteht zudem kein Zweifel, dass die größeren Flugzeuge gebraucht werden, um die wachsende Zahl der Passagiere zu bewältigen. Airbus geht davon aus, dass der Flugverkehr weltweit in den nächsten 20 Jahren jährlich um 4,7 Prozent wachsen wird – in Deutschland allerdings nur um 3,5 Prozent. Das führt nach einer Marktprognose von Airbus zu einem Bedarf von knapp 30 000 neuen Flugzeugen weltweit in den nächsten 20 Jahren. Allein in Deutschland würden rund 1800 Maschinen gebraucht, darunter knapp 400 in der Zwei-Gänge-Kategorie wie die A350. Und die soll in puncto Effizienz Maßstäbe setzen. Das Flugzeug, das bis zu 400 Passagiere befördern soll, ist erheblich leichter als herkömmliche Flieger, denn es besteht zur Hälfte aus kohlefaserverstärktem Kunststoff.

Vor allem bei Rumpf und Flügeln wird das neue Material eingesetzt. Die A350 ist mit neuen sparsamen Triebwerken ausgestattet, die mit Superturbo-Effekten arbeiten. Die Aerodynamik ist optimiert, zugleich soll der Komfort für die Passagiere steigen, der Lärm geringer und die Wartung einfacher sein. Alles in allem: Airbus sieht die A350 vor allem gegenüber dem Konkurrenz-Modell Boeing 777 im Vorteil. Die Betriebskosten seien um ein Viertel niedriger.

Das bringt einer Airline massive Vorteile gegenüber Konkurrenten mit älteren Flugzeugen. Kein Wunder also, dass die ambitioniertesten Firmen auf den A350 setzen. Neben Qatar gehören Etihad und Emirates zu den wichtigsten Kunden des Plastikfliegers, für den 812 Bestellungen vorliegen. Die Araber wollen mit Kampfpreisen angreifen. Leahy erwartet für dieses Jahr weitere Bestellungen, ohne konkrete Zahlen zu nennen.