Aus Sicht von Lufthansa-Chef Christoph Franz läuft einiges schief – in der hiesigen Luftfahrtpolitik im Allgemeinen und beim Frankfurter Flughafen im Besonderen. An Deutschlands größtem Airport stehen Einschnitte bevor. Denn in Hessen basteln CDU und Grüne an einer Koalitionsvereinbarung. Alle Beobachter sind sich einig: Eine schwarz-grüne Landesregierung wird es nur geben, wenn die Öko-Partei Beschränkungen für den Airport durchsetzt.

„Ich kann nur hoffen, dass uns das Leben nicht noch schwerer gemacht wird“, sagt Franz dem Handelsblatt. Derzeit wird einerseits über eine Ausweitung des Nachtflugverbots und andererseits über den Verzicht auf ein drittes Terminal diskutiert. Frankfurt ist für die Lufthansa von zentraler Bedeutung. Dort betreibt die Lufthansa ihr wichtigstes Drehkreuz: Kleine Flieger bringen die Passagiere zum Airport, die dort in große Maschinen für Langstreckenflüge umsteigen. Eine Ausweitung des Nachtflugverbots werde das Geschäft der Lufthansa „gravierend beeinträchtigen“, so Franz.

Die Nachtflug-Beschränkungen am Airport gelten von 23 bis 5 Uhr. Es gilt die Grundregel, dass in diesen Zeiten nur verspätete Starts und Landungen möglich sind. Tobias Grosche von der Beratungsfirma Airconomy hat Verständnis für die Bedenken des LH-Chefs. „Zwar operiert die Lufthansa derzeit in Frankfurt noch innerhalb der Kapazitätsgrenzen. Mittel- und langfristig könnte es aber Probleme geben“, sagte Grosche der Berliner Zeitung. Wobei er davon ausgeht, dass der Luftverkehr – trotz gegenwärtiger Flaute – in den nächsten Jahren weiter wachsen wird und die Lufthansa mitwachsen will. Deshalb werde die Lufthansa früher oder später mehr Terminalkapazitäten benötigen. Hinzu komme: Je stärker die Betriebsstunden eingeschränkt würden, umso schwerer werde es, das Zubringersystem zu organisieren.

Franz jedenfalls droht schon einmal mit Standortverlagerungen: Wenn Schwarz-Grün das Terminal drei auf Eis lege, „wäre Wachstum nur in anderen Drehscheiben der Lufthansa-Gruppe möglich“. Der Konzern betreibt Hubs auch in München und in Zürich. An beiden Standorten gibt es aber ebenfalls Beschränkungen für Nachtflüge, die teils erheblich strenger ausfallen als die derzeitigen Restriktionen in Frankfurt. In München hat überdies ein Bürgerentscheid den Ausbau des Airports gekippt – generell gelten Flughafenerweiterungen in ganz Europa als extrem schwer durchsetzbar. In Frankfurt könnte eine schwarz-grüne Landesregierung das dritte Terminal verhindern, da das Land gemeinsam mit der Stadt den Flughafenbetreiber Fraport kontrolliert.

Franz macht sich über Frankfurt hinaus Sorgen über die Zukunft der gesamten Branche hierzulande, und Frank Bsirske, Chef der Gewerkschaft Verdi, unterstützt ihn dabei. Das Duo erneuert Forderungen der Branche für eine neue Luftfahrtpolitik vom Frühjahr. Bsirske sieht 100 000 Jobs in Gefahr. Er fordert vor allem, dass die Politik für alle Airlines gleiche Regeln aufstellt– ausländische Billigflieger zahlen ihren Beschäftigten teils deutlich weniger, da sie sich nicht an deutsche Arbeits- und Sozialstandards halten müssen. Der Gewerkschafter kritisiert zudem die harte Konkurrenz durch arabische Airlines wie Etihad oder Emirates, die massiv von ihren Regierungen subventioniert werden. Bsirske verlangt, dass die Politik bei Start- und Landerechten in Deutschland für diese Airlines restriktiver vorgeht: „Operatives Geschäft zu subventionieren und zusätzlich Verkehrsrechte zu verlangen: Das geht nicht.“