Harte Auseinandersetzungen stehen bevor. Die Pilotenvereinigung VC Cockpit teilte am Donnerstag  mit: „Wir sind gespannt auf die  Vorschläge der Geschäftsführung“. Die  Unabhängige Flugbegleiter Organisation  (Ufo) sieht gar die Schlichtung im  Tarifkonflikt  mit der  Lufthansa gefährdet.

Lufthansa-Chef Christoph Franz   hat   für   den neuen  Low-Cost-Carrier    indes das Motto „günstig, aber nicht billig“ ausgegeben. Der Manager will einen radikalen Schnitt wagen. Das dezentrale Passagiergeschäft der Lufthansa wird  zur  Tochter  Germanwings herübergeschoben – das sind alle Direktflüge in Deutschland und Europa, die  nichts mit den Drehkreuzen  Frankfurt und München zu tun haben.   Vom 1. Januar 2013 an  sollen hierzulande also zwei Marken an den Start gehen, die relativ unabhängig voneinander agieren: Lufthansa Classic spezialisiert auf  Langstrecken nebst Zubringerflügen,  und Germanwings für  Kurz- und Mittelstrecken vor allem von Berlin, Köln, Stuttgart und Hamburg aus.  

Die Kosten bei Lufthansa sind zu hoch

Die Lufthansa-Maschinen   im Europaverkehr sind chronisch defizitär,  weil  sie es mit  Billigfliegern wie   Ryanair, Easyjet und  Air Berlin nicht aufnehmen  können. Franz sprach von einem  dreistelligen Millionenverlust jährlich und davon, dass  diese  Sparte  in ihrer  derzeitigen  Struktur  nicht überlebensfähig ist.  Deshalb gebe es neben  dem Umbau nur noch die  Möglichkeit, sich aus dem Geschäft  zu verabschieden.

Die Ursache der Probleme: Die Kosten der  Lufthansa liegen deutlich höher als die  der Konkurrenten. Ein wichtiger Faktor ist, dass  Lufthansa viele verschiedene  Flugzeugtypen einsetzt. Die Mitbewerber lassen in der Regel nur einen einzigen Flugzeugtyp abheben.   Die  neue Germanwings  will dem Vorbild nacheifern mit   einer „homogenen A320-Flotte“, so Lufthansa-Passage-Manager   Thomas Klühr.   30 Lufthansa-Flieger  sollen demnächst Germanwings zugeordnet und sukzessive auch umlackiert werden.

Ein weiterer zentraler  Baustein für den Erfolg der Low-Coster:  Die Beschäftigten verdienen deutlich weniger als bei der Lufthansa.  Und genau dies ist der  Knackpunkt beim anstehenden Neustart von Germanwings.  Betroffen  sind laut Lufthansa-Passage-Chef Carsten Spohr  800 Lufthansa-Flugbegleiter.  Ihnen würden drei Möglichkeiten offeriert: Bei der Lufthansa auf die Drehkreuz-Fliegerei umsatteln, das Unternehmen verlassen oder  zu Germanwings wechseln. Letzteres  würde teils massive Gehaltseinbußen nach sich ziehen.  Flugbegleiter verdienen bei  der Tochter  bis zu 40 Prozent  weniger als bei der Mutter. Kein Wunder, dass Ufo-Funktionäre aufgebracht sind. Derzeit laufen Schlichtungsverhandlungen in einem seit Monaten erbittert geführten Tarifkonflikt. Von „neuem Erpressungspotenzial“  und „drohendende Entlassungen“ ist bei Ufo die Rede.

Es könnte auch Lufthansa-Piloten treffen

Auch etwa 300 Lufthansa-Piloten  könnte es treffen.  Die Kollegen im Germanwings-Cockpit verdienen zwar genauso viel wie Kollegen bei der Lufthansa. Sie müssen  dafür aber mehr arbeiten.  Spohr erläuterte, dass  die Kosten  für Flugzeugführer   deshalb 20 Prozent  geringer seien.         Doch ein Sprecher  von VC Cockpit  betont: Niemand  könne gegen seinen Willen  versetzt werden.  Hinzu komme, laut Tarifvertrag  würden die ausgehandelten Konditionen bestehen bleiben,  solange der Schriftzug Lufthansa  auf dem Flieger stehe. Der Zeitplan fürs Umlackieren könnte  für die Kapitäne also relevant werden.  Zwei Jahre soll es dauern. 

 Spohr  betont aber, er hoffe, dass es vorher eine Einigung gebe. Insider  vermuten, es könnte  darauf hinauslaufen, dass künftig  bei Germanwings  vor allem junge Piloten, die von der Flugschule kommen, eingesetzt werden.