Verzicht der Piloten soll die Lufthansa retten.
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BerlinDie Lufthansa ringt weiter um ihre Zukunft. Nachdem bei Verhandlungen über Staatshilfen mit der Bundesregierung bisher noch keine Einigung erzielt werden konnte, schaltete sich jetzt die Gewerkschaft der Piloten in die Debatte ein.

Wie die dpa berichtet, haben die Piloten der Lufthansa dem Unternehmen einen freiwilligen Gehaltsverzicht bis zum Sommer 2022 angeboten. Voraussetzung ist laut einer Mitteilung vom Donnerstag der Verzicht auf die Insolvenz in Eigenverwaltung. Die hatte das Management als Alternative zu einem Staatseinstieg in der vergangenen Woche ins Spiel gebracht. Ein derartiges Schutzschirmverfahren erfülle die Anforderungen nicht, die Krise sozialpartnerschaftlich zu überwinden, teilte die Vereinigung Cockpit (VC) mit.

Hintergrund dürften Befürchtungen der Gewerkschaft sein, dass im Falle einer Insolvenz in Eigenverwaltung Betriebsrenten und Übergangsvergütungen zur Disposition stünden, weil der Konzern versuchen könnte, die Pensionsverpflichtungen loszuwerden. Auch könnten leichter Tarifverträge gekündigt und Beschäftigte entlassen werden. Lufthansa hat für den gesamten Konzern bislang von einem Personalüberhang von rund 10.000 Beschäftigten gesprochen, gleichzeitig aber das Ziel ausgegeben, möglichst viele Beschäftigte im Unternehmen halten zu wollen.

Das Angebot der Gewerkschaft beinhaltet für die mehr als 5000 aktiven Piloten im Konzerntarifvertrag ein um bis zu 45 Prozent abgesenktes Gehalt und hat ein Gesamtvolumen von 350 Millionen Euro. Es stellt nach Meinung der Vereinigung Cockpit daher einen maßgeblichen Beitrag zur Überlebensfähigkeit des Unternehmens dar. Enthalten sei auch eine weitere, kurzzeitig wirksame Absenkung des Kurzarbeitergeldes.

Einig sind sich dabei Unternehmen und Gewerkschaft, dass die Wettbewerbs- und Investitionsfähigkeit der Lufthansa unbedingt erhalten werden müsse. Und dazu sind Staatshilfen auch nach wie vor im Gespräch. Ein entsprechender Appell erging am Donnerstag an den Bund. In einem Brief an die Bundesminister für Finanzen und Wirtschaft legten sich die Lufthansa und zwei ihrer Gewerkschaften auf das gemeinsame Ziel fest, möglichst viele Arbeitsplätze nachhaltig zu erhalten. Ihren Appell verbanden das Unternehmen sowie die Gewerkschaften Verdi und Vereinigung Cockpit mit einem Dank an die Regierung für ihre grundsätzliche Bereitschaft, ein konkretes Finanzierungskonzept zu entwickeln. Die Kabinengewerkschaft Ufo hat das Papier nicht unterschrieben.

Verhandlungen über Staatshilfen laufen auch in Österreich. Hier hatte die Lufthansa-Tochter Austrian Airlines (AUA) am Dienstagabend 767 Millionen Euro an Staatshilfen aus dem Corona-Hilfsfonds beantragt. Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz sagte dazu nach eine Gespräch mit Lufthansa-Chef Carsten Spohr, dass staatliche Hilfen ohne Zugeständnisse seitens des deutschen Mutterkonzerns aber ausgeschlossen seien: „Eine Hilfe ohne Vorteile für den Standort Österreich, ohne eine Beteiligung an der Lufthansa, einfach nur so, die wird es nicht geben.“ „Wenn es ein gutes Angebot gibt, (...) werden wir natürlich einen Weg finden, hier mit der Lufthansa zu kooperieren.“ Für Hilfen des Staates müsse es eine „Gegenleistung“ geben.

Bei den Schweizer Tochterunternehmen der Lufthansa hingegen ist man laut AFP bereits einen Schritt weiter. Die Schweizer Regierung hat nach Angaben des Mutterkonzerns eine Milliardenbürgschaft zur Unterstützung der beiden Schweizer Tochter-Airlines beschlossen. Die Fluggesellschaften Swiss und Edelweiss sollen Garantien vom Schweizer Bund für 85 Prozent einer Kreditsumme von insgesamt 1,5 Milliarden Schweizer Franken (rund 1,4 Milliarden Euro) erhalten. Die Garantiesumme beläuft sich demnach auf 1,2 Milliarden Euro. Der Bürgschaft muss noch das Schweizer Parlament in der kommenden Woche zustimmen. Die Mittel dürfen nur bei den Töchtern Swiss und Edelweiss eingesetzt werden. Konzerninterne Dividendenzahlungen müssten während der Laufzeit des Kredits unterbleiben.