Lufthansa profitiert vom Ausscheidungskampf in Europas Luftfahrtbranche

Die Lufthansa erhöht die Flughöhe. Deutschlands größte Airline schraubt ihre Gewinnprognose nach oben. Wir erläutern, wie die Fluggesellschaft vom Ausscheidungskampf in Europas Luftfahrtbranche profitiert.

Wie sehen die Geschäftszahlen der Lufthansa aus?

Das Management hat schon einmal vorab bekannt gegeben, dass die Prognose für den Gewinn nach oben geschraubt wird. Konzernchef Carsten Spohr traut sich jetzt zu, den Rekordprofit des Vorjahres von 1,75 Milliarden Euro noch einmal zu überbieten.

Was ist der Grund für  so viel Optimismus?

Enorm positive Zahlen für das erste Halbjahr. Der Profit aus der betrieblichen Tätigkeit konnte mit rund einer Milliarde Euro fast verdoppelt werden. Viele Faktoren spielen dabei zusammen: Die Nachfrage ist groß, weil die Konjunktur im Heimatland Deutschland brummt. Aber auch in so wichtigen Märkten wie USA und China kaufen die Kunden mehr Tickets als im Vorjahr, auch weil die Terrorangst bei Urlaubern verflogen ist.

Hinzu kommen wieder günstigere Treibstoffkosten, da die Rohölpreise wieder gefallen sind - das ist einer der größten Faktoren bei den Aufwendungen.  Das Management geht davon aus, dass die Rechnung fürs Kerosin im zweiten Halbjahr um 100 Millionen Euro geringer ausfällt als in der Vorjahreszeit.

Wie steht es um die Konkurrenten?

Die Lufthansa profitiert vom Verfall der Ölpreise noch in einer zweiten Hinsicht: Die Staaten auf der arabischen Halbinsel haben erheblich geringere Einnahmen aus dem Ölgeschäft. Deshalb können sie ihre Airlines weniger stark subventionieren als in der Vergangenheit. Gemeint sind Emirates, Etihad und Qatar Airways. Genau diese Fluggesellschaften waren in der Vergangenheit haben die härtesten Rivalen der Lufthansa auf der Langstrecke.

Wie sieht es auf der Mittelstrecke aus?

Hier profitiert die Lufthansa vom weitgehenden Rückzug von Air Berlin, die viele Jahre von Etihad unterstützt wurde. Da fällt Konkurrenz weg, die die Lufthansa oft genug mit Discount-Angeboten für attraktive Urlaubsziele geärgert hat.  30 Air-Berlin-Jets inklusive Besatzung sind mittlerweile von der LH-Billigtochter Eurowings angemietet worden.

Eurowings kann nun verstärkt die Ferienflieger Condor und Tuifly attackieren. Hinzu kommt, dass die Billigkonkurrenz von Easyjet wegen des Brexit und des daraus resultierenden Verfalls des britischen Pfunds ins Straucheln geraten ist. Alitalia ist pleite und sucht Investoren – auch hiervon profitiert die Lufthansa. Weniger Wettbewerb bedeutet, dass höhere Ticketpreise durchsetzbar sind. Zudem konnte die Auslastung der Maschinen gesteigert werden, was der maßgebliche Faktor für den Gewinn ist.

Wie reagiert sie Börse?

Die Aktien haben am Dienstagmorgen mehr als zwei Prozent verloren. Das wirkt auf den ersten Blick kurios. Man muss aber dabei beachten, dass die Lufthansa-Aktie einen nie gekannten Höhenflug hinter sich hat. Der Wert der Papiere hat sich in den vergangenen zwölf Monaten fast verdoppelt.

Anleger und Analysten hatten zuvor die Dinge zu pessimistisch betrachtet - wegen zahlreicher Tarifkonflikte und wegen des komplizierten Konzernumbaus mit einer erheblichen Stärkung der Billigsparte für die Mittelstrecke. Es wurde auf sinkende Kurse gewettet. Als sich dann vieles zum Positiven wandelte, schoss der Kurs in die Höhe. Nun nehmen Anleger die Gewinne mit, da sie davon ausgehen, dass der Steilflug zu Ende geht.

Warum sollte es nicht weiter aufwärts gehen?

Vieles spricht dafür, dass die Potenziale für Gewinnsteigerungen sind erst einmal ausgeschöpft sind. Ganz entscheidend ist dabei, dass ein weiteres merkliches Absinken der Ölpreise unter den Korridor von 45 bis 50 Dollar pro Fass (159 Liter), in dem er sich jetzt bewegt, von Analysten für unwahrscheinlich gehalten. Hinzu kommt, eine bessere Auslastung der Maschinen lässt sich nur langsam steigern. Und weitere wirklich große Sprünge bei den Passagierzahlen dürften kurzfristig nur schwer zu schaffen sein.

Wie verhält sich die Konkurrenz?

Das ist aus Sicht der Branchenkenner das größte Problem. In der Luftfahrt wiederholt sich immer wieder ein Mechanismus: Steigende Gewinne führen zur Kapazitätsausweitung aller Anbieter, was dann den Konkurrenzkampf  verschärft und die Ticketpreise wieder sinken lässt. Und genau diese Kapazitätsausweitung ist in Europa für das nächste Jahr geplant.

Welche Rolle spielt Ryanair?

Ryanair ist der Anbieter, der am aggressivsten wächst – mit etwa 50 Jets, die jedes Jahr neu in Dienst gestellt werden. So wird es auch 2018 sein. Spannend wird, wo die Iren mehr Maschinen stationieren. Tun sie dies beispielsweise am Frankfurter Flughafen,in  Köln oder Weeze am Niederrhein könnte das Turbulenzen für die Lufthansa bringen, da sie im Rhein-Main-Gebiet und im Rheinland stark vertreten ist.  

Wie sieht es mit einer Übernahme von Air Berlin aus?

Spohr verhandelt mit Etihad über eine Übernahme von Air Berlin. Er ist dazu aber nur bereit, wenn die Araber die Schulden der hiesigen Nummer zwei übernehmen. Zudem müssen die Wettbewerbshüter von dem Deal überzeugt werden.

Sollte es eine Einigung geben, würde die Lufthansa die noch rund 70 Maschinen in die eigene Billigfliegerflotte integrieren. Das würde den Ausbau von Eurowings beschleunigen. Die Low-Cost-Sparte hat langfristig als europäische Nummer drei (hinter Ryanair und Easyjet) nur eine Chance, wenn sie auf etwa 200 Maschinen kommt. Ende des Jahres sollen es erst rund 100 sein.