Flugzeuge der Lufthansa.
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Frankfurt am MainAktien des Krisenverlierers Lufthansa sind auch am Freitag nicht zur Ruhe gekommen. Im Gegenteil, mit einem weiteren Kursrücksetzer von acht Prozent auf 7,18 Euro näherten sie sich dem Rekordtief von 2003 bei 6,80 Euro immer mehr an. Sie waren damit das Schlusslicht in einem schwachen Leitindex Dax. Seit Beginn des vom Coronavirus ausgelösten weltweiten Börsen-Crash hat sich der Aktienkurs mehr als halbiert.

Am Vorabend hatte der Konzern die Anleger mit der Aussage beunruhigt, dass er sich nicht mehr aus eigener Kraft aus der Corona-Krise retten kann. Im ersten Quartal habe man im operativen Geschäft 1,2 Milliarden Euro verloren und für das laufende zweite Quartal wird ein noch deutlich höheres Minus erwartet.

Am Freitag ließ Lufthansa-Chef Carsten Spohr wissen, er rechne mit einem Abbau von 10.000 Jobs in der Corona-Krise. Die Flotte werde um etwa 100 Flugzeuge schrumpfen, sagte der Vorstandsvorsitzende in einer internen Botschaft an die Mitarbeiter.

Der Strom negativer Analystenkommentare wurde entsprechend noch reißender. So stampften die Experten von Kepler Cheuvreux ihr Kursziel auf 2 Euro ein und begründeten dies mit zu knappen Liquiditätsreserven der Airline. Eigenen Angaben zufolge verfügt der Konzern aktuell nach erneuten Kreditaufnahmen insgesamt über 4,4 Milliarden Euro flüssige Mittel, die allerdings deutlich abnehmen würden. „Der Konzern rechnet nicht damit, den entstehenden Kapitalbedarf mit weiteren Mittelaufnahmen am Markt decken zu können“, hieß es. Daher wird „intensiv“ mit den Regierungen der Airline-Heimatländer Deutschland, Schweiz, Österreich und Belgien verhandelt.

Analyst Per-Ola Hellgren von der Landesbank Baden-Württemberg rechnet damit, dass die Liquidität von Lufthansa im dritten Quartal knapp wird. Er prognostizierte, „dass der Bund in diesem Fall die Lufthansa finanziell unterstützen würde“.

Analyst Michael Kuhn von der französischen Societe Generale drehte seine Kauf- in eine Verkaufsempfehlung um und pulverisierte sein Kursziel von 11 auf 3 Euro. Er reagierte damit auf die Abwärtsdynamik des Geschäfts der drei größten europäischen Netzwerk-Fluggesellschaften Lufthansa, Air France-KLM  und IAG. Eine Erholung dürfte länger auf sich warten lassen als bislang gedacht. Morgan-Stanley-Expertin Analystin Carolina Dores hatte tags zuvor geschätzt, dass bei den Airlines erst 2022 das Niveau von 2019 wieder erreicht wird. Veränderungen im Kundenverhalten könnten dieses Ziel noch weiter in die Zukunft verschieben.