Lufthansa-Maschinen mit dem Kranich-Logo stehen am Frankfurter Flughafen und bleiben vorerst am Boden.
Foto: Arne Dedert/dpa

BerlinDer Lufthansa-Konzern streicht sein Flugprogramm wegen der Coronakrise noch stärker zusammen als bisher bekannt. Darüber berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Bis 19. April fänden nur noch rund fünf Prozent der ursprünglich geplanten Flüge statt, teilte der Dax-Konzern am Donnerstag bei der Vorlage der Jahresbilanz in Frankfurt mit. Rund 700 von 763 Flugzeugen des Konzerns blieben vorläufig am Boden. Fernverbindungen bietet die Lufthansa vorerst nur noch ab Frankfurt und dreimal pro Woche mit der Tochter Swiss ab Zürich an. In München sollen nur noch Kurzstreckenflüge des Ablegers Cityline abheben. Die Maschinen sollen vorwiegend Deutsche aus dem Ausland zurückholen.

Lesen Sie die aktuellen Entwicklungen in unserem überregionalen Newsblog zum Coronavirus oder alles Wichtige aus der Region im Berlin-Newsblog zum Coronavirus. >>

Zu einer Prognose für die Geschäftsentwicklung in diesem Jahr sah sich Vorstandschef Carsten Spohr weiterhin nicht in der Lage. «Die Verbreitung des Coronavirus hat die gesamte Weltwirtschaft und auch unser Unternehmen in einen bislang ungekannten Ausnahmezustand versetzt», sagte der Manager. 

Die Coronapandemie birgt nach seiner Einschätzung die Gefahr, dass die Luftfahrtbranche künftig nur noch mit staatlicher Unterstützung überleben kann. "Je länger diese Krise andauert, desto wahrscheinlicher wird es, dass die Zukunft der Luftfahrt ohne staatliche Hilfe nicht gewährleistet werden kann."

Folgen nicht absehbar

Aktuell könne noch niemand absehen, welche Folgen sich aus der Coronakrise ergeben, sagte Spohr anlässlich der Vorstellung der Jahreszahlen für 2019. Angesichts der massiven Auswirkungen rücke die Veröffentlichung der Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr, in dem die Lufthansa nach einem Gewinn von 2,2 Milliarden Euro im Vorjahr unter dem Strich ein Konzernergebnis von 1,2 Milliarden Euro verzeichnete, "leider in den Hintergrund".

Der derzeitigen Situation müsse der Konzern nun "mit drastischen und zum Teil schmerzhaften Maßnahmen begegnen", kündigte Spohr an. So stellt die Lufthansa etwa den Langstreckenbetrieb in München ein und wird vorerst nur noch Langstreckenflüge ab Frankfurt anbieten. Rund 700 der 763 Flugzeuge der Lufthansa Group werden vorübergehend geparkt.

"Gleichzeitig müssen wir der besonderen Verantwortung gerecht werden, die Fluggesellschaften in ihren Heimatländern tragen", betonte Spohr. Der Konzern unternehme alles, "um mit Rückkehrerflügen so viele Passagiere wie möglich nach Hause zu bringen".

Rund 140 Sonderflüge wegen der Krise

Die Airlines der Lufthansa bieten nach Unternehmensangaben in diesen Tagen rund 140 Sonderflüge an. Mehr als 20.000 Passagiere sollen so mit Lufthansa, Eurowings, Swiss, Austrian Airlines, Brussels Airlines und Edelweiss nach Hause fliegen können. "Und wir helfen nach Kräften mit, dass Lieferketten für viele tausend Betriebe nicht abreißen, indem wir zusätzliche Kapazitäten für Luftfrachttransporte mobilisieren", fügte Spohr hinzu.

Lufthansa Cargo halte "die gesamte Frachterflotte in der Luft" und fliege mit Ausnahme von Festlandchina "weiterhin ihr reguläres Programm", erklärte der Konzern. Die Frachterflotte besteht demnach aktuell aus sieben Boeing 777F, sechs MD11F sowie vier 777F von Aerologic. Aktuell werde darüber hinaus geprüft, Passagierflugzeuge ohne Passagiere als reine Frachtflugzeuge einzusetzen, um die Frachtkapazität weiter zu erhöhen.