Arbeiter öffnen einen Container voller nicht recycelbarer Kunststoffe, der von den Behörden im Westhafen in Klang, Malaysia, festgesetzt wurde.
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Malaysia Die malaysische Regierung kämpft verbissen gegen den Import von ungewolltem Plastikmüll. Gerade wurden mehr als 4000 Tonnen in Industriestaaten zurückgeschickt. Weitere Retouren stehen an. Wir erläutern, was beim Recycling von Kunststoff schiefläuft.

Woher stammt der Plastikabfall?

Nach Angaben der Regierung wurden von insgesamt 150 Containern 43 nach Frankreich und 42 nach Großbritannien zurückgeschickt. USA, Kanada, Spanien, Portugal oder Litauen sind weitere Empfängerstaaten. Der Abfall war in den vergangenen gut drei Monaten ins Land gelangt. Genauere Angaben wurden nicht gemacht. Es dürfte sich um Kunststoffmüll minderer Güte handeln, der für illegale Recyclingfirmen bestimmt war. Die Kosten für die Rücktransporte werden von den Importeuren und den Frachtunternehmen getragen. Deutsche Firmen sind nicht betroffen. Indes kündigte Malaysias Umweltministerin Yeo Bee Ying an, dass bis Mitte des Jahres weitere 110 Container in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt werden.

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Wie ist der illegale Handel mit dem Müll möglich?

Vor allem wegen mangelnder Transparenz und Kontrollen sowohl in den Ausfuhr- als auch in den Einfuhrländern. Ferner ist der Transport per Schiff billig. Hinzu kommt, dass es eine riesige Grauzone gibt: Malaysia spielt im globalen Geschäft mit Plastikabfällen eine wichtige Rolle. Bestimmte Stoffe werden, wenn sie sortenrein und sauber sind, für mehrere hundert Dollar pro Tonne gehandelt – der bekannteste ist PET, aus dem unter anderem Getränkeflaschen gemacht werden. Es handelt sich weitgehend um Abfälle, die in Unternehmen angefallen sind, die Kunststoffprodukte herstellen. Doch es ist auch viel gemischtes und verunreinigtes Plastik im Umlauf, das mit großem Aufwand recycelt werden muss. Selbst das vorschriftsmäßige thermische Verwerten in Müllverbrennungsanlagen ist teuer. Deshalb suchen Entsorger billige Wege, um die Reststoffe loszuwerden. Kontrollen haben gezeigt, dass immer wieder Plastik vermischt mit Restmüll von Privathaushalten – etwa aus den USA – nach Malaysia exportiert wird.

Hiesige Verwerter unter Druck

Preise sinken: Harte Zeiten für hiesige Kunststoffrecycler. Nach Angaben des Branchendiensts Euwid sind die Preise für Plastik als Sekundärrohstoff in den vergangenen Monaten stark gesunken. Von gewaltigen Herausforderungen in diesem Jahr ist die Rede. Es werde keine schnelle Trendumkehr geben. Firmen hätten teilweise den Einkauf bestimmter Qualitäten gestoppt. Vor allem sortenreine Produktionsabfälle stünden unter Druck. Das Angebot an neuem Kunststoff ist groß, zugleich ist der Absatz insbesondere in der Autoindustrie eingebrochen.
Rohstoff fehlt: Viele Autozulieferer haben die Fertigung zurückgefahren. Das drückt auch das Preisniveau für wiederverwerteten Kunststoff. Ein weiteres Problem ist, dass die Kunden Ware verlangen, die mit dem Blauen Engel versehen ist. Das Umweltzeichen wird aber nicht für Abfälle aus der Produktion, sondern nur für Rezyklate vergeben, die zu 80 Prozent aus tatsächlich gebrauchten Produkten bestehen. Es soll Recyclingfirmen geben, die für Produktionsabfall mittlerweile Zuzahlungen verlangen. Und einige Verwerter sollen bereits auf der Kippe stehen.

Warum landet der Kunststoff ausgerechnet in Malaysia?

Jahrelang importierte China große Mengen. Das wurde vor zwei Jahren von der dortigen Regierung gestoppt, weil es für sie mittlerweile schwer genug ist, den eigenen Plastikmüll zu entsorgen. Die Ströme des Abfalls haben sich seither unter anderem nach Indonesien, Hongkong und Malaysia verschoben. Häufig legt der Müll weite Wege über mehrere Staaten zurück. In den Importländern gibt es eine große Zahl nicht genehmigter Recyclinganlagen. Diese sortieren häufig den verkäuflichen Sekundärrohstoff heraus und verbrennen den Rest unter unzulänglichen Bedingungen, in vielen Fällen landet er auch auf nicht genehmigten Deponien. Die Hinterlassenschaften können so auch ins Meer und in die Nahrungskette gelangen. Laut Umweltministerin Yeo wurden zuletzt mehr als 200 illegale Recyclingfirmen in ihrem Land dichtgemacht. Die Politikerin hat dem Müllschmuggel den Kampf angesagt: Malaysia dürfe nicht zum „Mülleimer der Welt“ werden.

Exportiert auch Deutschland Plastikabfall nach Malaysia?

Ja. Die Mengen sind zuletzt sogar stark gestiegen. Laut Statistischem Bundesamt wurden in den ersten neun Monaten 2019 „Direktausfuhren“ von 135.000 Tonnen gezählt, das entspricht einer Steigerung um 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wobei noch Müll in unbekannter Menge hinzukommt, der über Umwege in das Land gelangt. Insgesamt führten deutsche Firmen in den drei Quartalen 784.000 Tonnen „Altkunststoffe“ aus – mit einem Wert von fast 240 Millionen Euro. Wobei der allergrößte Teil tatsächlich legal wiederverwertet wird. Aber Nichtregierungsorganisationen finden immer wieder auf malaysischen Müllkippen Verpackungen von deutschen Konsumgütern – wie Behälter für Flüssigwaschmittel. Branchenkenner vermuten, dass diese über verschlungene Wege und Umwege von Herstellern oder Händlern kommen. Der Naturschutzbund schätzt, dass überdies jährlich etwa 4000 Tonnen Reststoffe aus gelben Säcken und gelben Tonnen in Malaysia landen. Zugleich wurden von Januar bis September 2019 nach Deutschland 356.000 Tonnen Plastikabfall im Wert von 108 Millionen Euro eingeführt. Dieser wurde entweder recycelt oder verbrannt oder weitertransportiert.

Lässt sich der Müllexport eindämmen?

Umweltorganisationen wie der Naturschutzbund machen sich dafür stark, zumindest die Ausfuhr von Plastikabfällen minderer Qualität zu verbieten, da die Gefahr bestehe, dass der Müll in Ländern mit geringeren Entsorgungsstandards nicht recycelt, sondern verbrannt oder deponiert werde. Mit einem Verbot würden negative ökologische Folgen dort verringert und die Kreislaufwirtschaft mit Sortier- und Recyclinganlagen in den Herkunftsländern in Schwung gebracht. Ein wichtiger Schritt ist dabei, dass mehr als 160 Staaten sich im Frühjahr mit der Aktualisierung des sogenannten Basler Übereinkommens darauf geeinigt haben, dass Ausfuhren vom nächsten Jahr an strenger geregelt werden: Sowohl die Behörden des exportierenden als auch die des importierenden Landes müssen der Verschiffung des Abfalls zustimmen. Gleichwohl sollen die gefragten sortenreinen Sekundärrohstoffe weiterhin global frei gehandelt werden. Daraus werden unter anderem Komponenten für die Automobilindustrie gefertigt.