Die Insel der Deutschen: Mallorca macht Pläne für die neue Saison.
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Madrid„Das war eine der besten Nachrichten der letzten Tage“, sagt Eugenia Cusi. Was die Mallorquiner Unternehmerin so erfreut, ist die Ankündigung der Lufthansa vom Freitag, ab Juni wieder nach Palma fliegen zu wollen. „Wir spüren eine große Lust und Sehnsucht der Menschen, wieder zu reisen“, verkündete Harry Hohmeister vom Lufthansa-Vorstand. Die Sehnsucht ist eine gegenseitige. Die Deutschen sollen kommen. Mallorca bereitet sich vor.

Ab diesem Montag dürfen in etlichen Gegenden Spaniens – in etwa der Hälfte des Landes – wieder Straßencafés und Hotels aufmachen. Unter strengen Auflagen. Eugenia Cusi ist die Generaldirektorin der Restaurantkette Tast, mit sechs Lokalen in Palma und einem in Magaluf. Zwei ihrer Restaurants haben Tische unter freiem Himmel, an jeden zweiten davon dürften sich ab jetzt wieder Gäste setzen. Aber so schnell geht das alles nicht. „Erst kommt die Vorbereitung“, erklärt Cusi. „Wir müssen alkoholische Gele und Handschuhe kaufen, die Anordnung der Tische regeln, das Personal für die Einhaltung der sanitären Protokolle schulen, uns etwas für die Speisekarten einfallen lassen, die wir den Gästen nicht mehr geben dürfen.“ Wenn die Vorarbeit getan ist, wird das erste Restaurant eröffnet. Um zu sehen, wie es läuft. Dann das zweite. „Und Mitte August wollen wir alles offen haben.“

Aus dieser Krise kommt man nur tastend heraus. Spanien ist von der Covid-19-Epidemie härter betroffen als fast jedes andere Land der Welt. Nach siebenwöchiger Totalquarantäne sind die Zahlen der Neuinfektionen deutlich zurückgegangen, und die Sánchez-Regierung wagt einen langsamen Ausstieg aus dem Krisenmodus. Immer mit Blick auf die Infektionszahlen. Die Balearen und deren Hauptinsel Mallorca gehörten von Beginn an zu den eher weniger schlimm betroffenen Regionen und können sich Hoffnungen auf eine vergleichsweise schnelle Rückkehr zur Normalität machen. Wenn das Virus mitspielt.

Es ist wie ein Probebetrieb, der an diesem Montag beginnt. Ein Betrieb ohne Feriengäste. Noch dürfen sich die Spanier nicht ohne triftigen Grund von einer Provinz (vergleichbar einem deutschen Regierungsbezirk) in die nächste bewegen, Ausländer kommen erst recht nicht ins Land. Die Gäste, die sich jetzt in den Straßencafés und -restaurants an jeden zweiten Tisch setzen dürfen, werden Leute aus der Nachbarschaft sein. Auch die Hotelgäste. Die großen Häuser an der Playa de Palma bleiben noch geschlossen. Aber die kleinen Herbergen im Inselinnern wollen schon öffnen, hat der Präsident des Balearischen Verbandes für Agrotourismus, Miguel Artigues, am Wochenende angekündigt.

Wenn der Probelauf glückt, dann sollen auch die Ausländer wieder kommen. Die Mallorquiner horchen ganz genau auf das, was aus Deutschland zu hören ist. Sie danken es dem deutschen Tourismusbeauftragten Thomas Bareiß, dass er in einem Zeitungsinterview ausdrücklich auch die Balearen als eine der Urlaubsgegenden nennt, die man „noch nicht abschreiben“ solle. Sie freuen sich, dass große Reiseveranstalter wie Tui und FTI bald wieder ihre Websites für Mallorca-Buchungen freischalten wollen. Und sie sind begeistert über die Aussicht auf Lufthansaflüge nach Palma.

Mallorca braucht den Tourismus wie die Luft zum Atmen. Fast 12 Millionen Besucher (ein gutes Drittel davon Deutsche) kommen jedes Jahr nach Mallorca. Wenn die wegbleiben, hat die Insel noch knapp 925 000 Einwohner. Von denen mussten seit Mitte März rund 150.000 auf Kurzarbeit gehen – das heißt: Sie blieben zuhause. Den Einbruch der Wirtschaft der Balearen schätzt die spanische Großbank BBVA für dieses Jahr auf 17 Prozent, und das ist eine der optimistischeren Prognosen.

Der Stillstand auf Mallorca hat Eugenia Cusi Arbeit gemacht wie nie. Sie musste sich um ihre 120 Beschäftigten kümmern, um die Anträge auf Kurzarbeit bei völlig überlasteten Behörden, um Kredite, um die Miete weiter zahlen zu können, um ihren Posten als Sprecherin der Restaurationsbetriebe auf Mallorca. Wie viele von den 10.500 Klein- und Kleinstunternehmen dieser Branche werden überleben? „Das ist die große Frage“, sagt sie. „Viele werden auf der Strecke bleiben. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich habe noch niemanden sagen gehört: Ich schließe.“