MAN in Berlin-Reinickendorf: Protest gegen Abbau von 300 Jobs

So viel Zeit muss dann auch im Arbeitskampf sein. Als der Demonstrationszug  der Beschäftigten von MAN Diesel & Turbo und der IG Metall am Brandenburger Tor angekommen ist, gibt es erst einmal Heißes: Tee, Kaffee und Punsch gießen sich die Gewerkschafter in die Plastebecher. Sie sind ja auch schon ein Stück in der Kälte des Montagmittag gelaufen, vom S-Bahnhof  Friedrichstraße zur Straße Unter den Linden, von dort weiter über die Wilhelmstraße und am Reichstag vorbei zum Platz des 18. März auf der Westseite des Brandenburger Tores.

Die Touristen, die auf der anderen Seite ihre Fotos machen, bekommen einen ungewöhnlichen Hintergrund aufs Bild. Fahnen schwingende Arbeiter und Angestellte, Transparente mit  unmissverständlichen Losungen: „Ohne Mannschaft schafft MAN nichts“ zum Beispiel. Oder „Stoppt den Stellenabbau“. Es ist kein angenehmes Thema, das die Beschäftigten auf den meistbesuchten Platz der Stadt treibt.

Beim Maschinenbauer MAN Diesel & Turbo in Berlin-Reinickendorf sollen mehr als 300 von insgesamt gut 520 Stellen wegfallen. Dort stellt das Unternehmen Kompressoren für die Öl- und Gasindustrie her.  Jetzt befürchten die Arbeitnehmer, dass der Standort zur verlängerten Werkbank degradiert wird.

Betriebsrat René Marx wirft dem Unternehmensvorstand vor, dessen Konzept für das Werk sei kein Zukunftskonzept, sondern ein Standortschließungskonzept. Reinickendorfs Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU) sagt zu, alles in seiner Macht Stehende für den Erhalt der Jobs zu tun. Die geplante Zerschlagung des Standorts sei „völlig, völlig widersinnig“.

Klaus Abel, Chef der Berliner IG Metaller, nennt die MAN-Pläne für den erfolgreichen und zukunftsfähigen Standort in Reinickendorf einen Skandal und ist zugleich überzeugt, dass bei dieser Kampfbereitschaft der Job-Abbau so nicht durchkommt.

Am heutigen Dienstag werden Arbeitnehmervertreter und Vorstand von MAN über die Kürzungspläne verhandeln.