Erst steigt der Staat als Anteilseigner aus. Und dann wird erstmals eine Frau zur Chefin benannt. Bei General Motors tut sich gehörig was. Seit Wochen kursieren Gerüchte über die Nachfolge von Konzernboss Dan Akerson. Es lief in den vergangenen Tagen immer stärker auf Mary Barra hinaus. Am Dienstag bestätigte der Konzern entsprechende Gerüchte. Die 51-Jährige wird im Januar den Top-Job beim Autoriesen übernehmen. Erstmals wird damit eine Frau an der Spitze des Unternehmens stehen, und erstmals wird eine Frau überhaupt einen großen Autobauer leiten.

Barra galt als Wunschkandidatin von Akerson. Er hatte sich immer wieder darüber beschwert, dass Frauen zu wenig in der Autobranche zu sagen haben. Was durchaus eine gewisse Ferne zur Kundschaft zur Folge hat. Denn Frauen entscheiden häufig, welches Auto gekauft wird.

Mary Barra ist das, was in den USA in der Branche Car Girl genannt wird. Ihr Vater hat schon bei GM gearbeitet. Sie hat an der früheren GM-Universität Ingenieurwissenschaften studiert, später noch ein Betriebswirtschaftsstudium in Stanford draufgesattelt und sich über viele Stationen bei General Motors nach oben gearbeitet. Zuletzt war sie für die Produktentwicklung zuständig. Barra gilt als unprätentiös. „Keine beschissenen Autos mehr“, so einfach hat sie vor einiger Zeit ihr Credo formuliert.

Kulturwandel bei GM

Ihr wird zugetraut, einen nachhaltigen Kulturwandel bei GM durchzusetzen – der Konzern gilt noch immer als schwerfällig und bürokratisch.

Barra kommt gerade recht. Am Montag verkaufte die US-Regierung ihre letzten Anteile. Die Zeit für einen echten Neuanfang nach vier Jahren Sanierung ist reif. 2009 wurde GM im Zuge eines Insolvenzverfahrens de facto verstaatlicht. Unterm Strich bleibt, dass der Konzern mit rund zehn Milliarden Dollar vom Staat subventioniert wurde.

Akerson (65), der Mitte Januar gehen wird, bedankte sich am Dienstag noch einmal: Man werde immer dankbar dafür sein, eine zweite Chance bekommen zu haben. Doch er ist natürlich heilfroh, dass der Staat jetzt ausgestiegen ist. GM leidet nicht mehr unter dem Makel „Government Motors“ zu sein. Das ist in den USA wichtig für das Image. Noch viel wichtiger dürfte sein, dass Restriktionen für die Bezahlung von Managern nun wegfallen. Barra wird mutmaßlich eine Reihe neuer Manager in den Konzern holen. Denn es gibt einiges zu tun.

GM schreibt zwar seit 15 Quartalen Gewinne. 4,4 Milliarden Dollar sind allein von Januar bis September zusammengekommen. Das Bild wird aber dadurch getrübt, dass GM immer stärker vom Geschäft in China abhängig ist. Auf dem Heimatmarkt verliert der Autobauer Marktanteile. Das zeigt, dass auch vier Jahre nach dem Beinahe-Kollaps GM vielfach noch hinterher hinkt. Der Konzern braucht mehr attraktive und spritsparende Modelle und eben keine „beschissenen Autos“. Das müssen nun die neuen Manager angehen. Das Geld für Innovationen ist jedenfalls da. Und als Vorbilder können die erfolgreichen Modelle Adam und Mokka von der kleinen deutschen Tochter Opel dienen.

Favorit vieler Mitarbeiter und vieler Betriebsräte hierzulande war indes Stephen Girsky gewesen. Girsky ist der Vize-Chef des Konzerns und ein Opel-Freund. Er hat den Managern in Europa den Rücken gestärkt, obwohl Opel und die britische Schwester Vauxhall noch immer Verluste machen, knapp 500 Millionen Dollar waren es in den ersten drei Quartalen dieses Jahres.