Masayoshi Son, 2019 noch der reichste Mensch Japans, steckt wirtschaftlich in einer schweren Krise. 
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TokyoVor dem Sturm sollte man sich so schützen, dass man auch als Feigling belächelt werden könnte. Das ist wahrer Mut, finde ich.“ Als Masayoshi Son am vergangenen Mittwoch diesen Tweet sendete, dürften sich viele gefragt haben, was genau er meinte. Ging es um das sich auch in Japan mit hohem Tempo ausbreitende Coronavirus?

Vielleicht dachte der notorische Draufgänger aber auch laut über seinen eigenen Schutz nach. Nicht gesundheitlich, sondern finanziell. Inmitten der Corona-Krise ist Son, der im vergangenen Jahr noch die reichste Person Japans war, gerade zum zahlenmäßig wohl größten Verlierer geworden. Sein Telekommunikations- und Multikonzern Softbank hat jüngst Verluste in Höhe von rund sechs Milliarden Euro verkündet. Hinzu kommen 15 Milliarden Wertverluste in seinem mit 100 Milliarden ausgestatteten Vision Fund, durch den er über die Jahre immer wieder in vermeintlich vielversprechende Start-ups investiert hat.

Ein Antithese zur japanischen Art

Böse Zungen sagen nun, der Sturz sei nur eine Frage der Zeit gewesen. Denn Son hat immer wieder hoch gepokert. Mut, das ist für den 62-Jährigen schon immer eine der wichtigsten Vokabeln gewesen. Insofern schillert der Sohn eines koreanischstämmigen Fischers auch als Antithese zur in Japan typischen Art des Wirtschaftens, bei der man eher konservativ agiert und meist nicht allzu unternehmerisch.

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Son hat sich von all dem schon früh unterschieden. Als Schulabsolvent ging er in die USA, um dort Englisch und Wirtschaft zu lernen. Nach dem Studium an der Elite-Uni Berkeley gründete er 1981 das Unternehmen Softbank, mit dem er es bald zu Wohlstand brachte. Heute hält er Anteile am Quasi-Taxiunternehmen Uber, am Online-Warehaus Alibaba, am Coworkinganbieter WeWork und vielen mehr.

Doch abgesehen von Onlineretailern, die derzeit profitieren, gibt es zahlreiche Branchen, die unter den Einschränkungen durch Covid-19 arg zu leiden haben. Und auch auf solche Start-ups hat Son gesetzt.

Es könnte aber auch noch einmal glimpflich ausgehen. Start-up-Genome beobachten, dass Investoren in den letzten großen Wirtschaftskrisen zwar insgesamt weniger ausgaben, ihr Geld aber auf mehrere Jungunternehmen verteilten. Vielleicht meinte Masayoshi Son diese Art von Schutz, als er vergangene Woche twitterte, und startet schon bald eine neue Investitionsrunde. Dass er in seinem Land einmal mehr belächelt werden würde, wäre damit jedenfalls zu erwarten.