Das deutsche Steuersystem ist kompliziert, doch es hat auch seine Vorteile: Wer sich gut darin auskennt, kann Geld sparen. Besonders bei Paaren bestehen verschiedene Optionen. Wenn sich die Lebenssituation ändert, das Gehalt steigt, ein Kind geboren wird oder ein Partner in Rente geht, lohnt es sich, noch einmal zu rechnen. Die Möglichkeit, die Steuerklasse zu wechseln, besteht einmal im Jahr, jeweils bis zum 30. November.

Für wen ist welche Steuerklasse?

In der Steuerklasse I befinden sich Personen, die ledig, verwitwet, getrennt oder geschieden sind. Die Steuerklasse II ist für alleinerziehende und getrennt lebende Personen. In die Steuerklasse III wechseln Verheiratete oder Personen, die Elterngeld beziehen. Haben Ehepartner ein ungefähr gleiches Einkommen, ist die Steuerklasse IV für sie richtig. Eine Variante dieser Steuerklasse ist die Klasse IV mit Faktor. In der Steuerklasse V ist der Teil eines Ehepaars gut aufgehoben, der das geringere Einkommen hat. Die andere Person hat dann Steuerklasse III. Steuerklasse VI ist unabhängig vom Familienstand für Arbeitnehmer, die zwei oder mehr Jobs haben.

Worauf müssen Verheiratete achten?

Nach der Hochzeit sind beide Ehepartner automatisch in der Steuerklasse IV. Diese ist dann vorteilhaft, wenn beide ungefähr gleich verdienen. Grundsätzlich gilt, dass der Ehepartner mit dem höheren Gehalt in der Steuerklasse III richtig untergebracht ist, denn hier werden weniger Steuern erhoben als in den anderen Klassen. Klasse III muss mit Steuerklasse V kombiniert werden.

Isabel Klocke, Expertin beim Bund der Steuerzahler, betont, dass die Wahl der Steuerklasse lediglich für den monatlichen Lohnsteuerabzug entscheidend ist. Die tatsächliche Steuerschuld werde erst im Steuerbescheid festgestellt, die Wahl der Steuerklasse hat unterm Strich also keine Auswirkung auf die Jahressteuerschuld.

„Was bei Verheirateten aber je nach Steuerklasse variiert, ist, ob sie Erstattungen bekommen, Geld nachzahlen müssen oder ob sie eine Punktlandung machen.“ Sprich: Wer wenig Abzüge zum Beispiel in Steuerklasse III habe, müsse am Ende möglicherweise nachzahlen.

Wann sind die Steuerklassen III und V empfehlenswert?

Laut Stiftung Warentest ist dies der Fall, wenn ein Partner allein rund 60 Prozent vom Familienbrutto erzielt. Er geht dann in die Steuerklasse III. Da hier die Steuerlast geringer ist, wirkt sich das positiv auf dem Konto aus. Um möglichst viel Netto zu erzielen, kann der Ehepartner mit der III Freibeträge, die eigentlich dem Ehepartner mit der V zustehen, auf sein Einkommen anrechnen lassen. Das schlägt sich deutlich nieder – zum Beispiel beim Grundfreibetrag von derzeit 9 000 Euro.

Ist bei Steuerklasse IV eine Steuererklärung sinnvoll?

Verdienen Ehepartner etwa gleich viel, sind sie in Steuerklasse IV richtig. „Sie ähnelt der Steuerklasse I für Alleinstehende. Eine Steuererklärung muss hier nicht gemacht werden“, sagt Klocke. Im Regelfall sei es dennoch lohnend, eine Erklärung zu machen, weil es meist zu einer Erstattung komme. Stiftung Warentest empfiehlt das ebenfalls. „Dann können Sie noch Steuerabzüge – etwa durch Kosten für haushaltsnahe Dienste – geltend machen“, heißt es.

Was ist die Steuerklasse IV mit Faktor?

Das Faktorverfahren, das 2010 eingeführt wurde, soll Ehepaaren Vergünstigungen bringen. Aufgrund der hohen Abzüge in der Steuerklasse V entschieden sich in der Vergangenheit Ehepartner manchmal, nicht zu arbeiten. Dies sollte sich ändern.

Ein Ehepaar muss das sogenannte Faktorverfahren beim Finanzamt beantragen und zu Jahresbeginn die erwarteten Arbeitslöhne bekannt geben. Das Finanzamt errechnet dann, welche Steuern gezahlt werden müssen. Hierzu werden die Einkommensteuer und der zu erwartende Lohnsteuerabzug berechnet. Die Steuerbelastung wird dann vom Finanzamt festgelegt.

„Ungünstig ist das Faktorverfahren bei schwankendem Lohn, etwa wenn einer der Ehepartner Bonuszahlungen bekommt“, sagt Klocke. Bei der Steuererklärung kann es zu größeren Nachzahlungen kommen.

Wann lohnt sich für junge Eltern der Wechsel?

Das Elterngeld wird auf der Grundlage des Nettolohns berechnet. Wer es beantragen will, sollte deshalb in die Steuerklasse III wechseln, empfiehlt Stiftung Warentest. Hier ist das Lohn-Netto am höchsten.

Die Fristen hierfür sind aber eng. „Der Wechsel muss rechtzeitig geschehen“, betont auch Klocke – schon kurz nach Bekanntwerden der Schwangerschaft. Zwar bleibt für den anderen Ehepartner dann die im allgemeinen ungünstige Steuerklasse V, aber zu viel gezahlte Lohnsteuer erhält das Ehepaar nach der Steuererklärung zurück.

Was tun bei Eintritt der Rente?

Arbeitet ein Partner noch weiter, der vorher die schlechtere Lohnsteuerklasse hatte, so sollte dieser jetzt in die Steuerklasse III wechseln. Wer sich unsicher ist, kann eine gemeinsame Steuererklärung machen. Dann profitiert man vom Splittingtarif: Beide Einkommen werden addiert und dann erst bemisst das Finanzamt die Höhe der Steuer

„Manche denken, dass sie das Splitting selbst vornehmen müssen. Das ist nicht der Fall. Diese Aufgabe übernehmen die Steuerbehörden“, sagt Klocke. Es genügt, eine gemeinsame Steuererklärung abzugeben.